Ich hatte dem Teufel meine Seele verkauft

und erobere sie gerade zurück!

In den letzten Monaten geht in meinem Kopf ein Lämpchen nach dem anderen an. Auf so vielen Ebenen. Und langsam bilden diese Lämpchen ein großes Schild, das ich einfach nicht mehr ignorieren kann. Es ist ein rot leuchtendes Warnschild.

ICH WAR ABHÄNGIG. ICH WAR SÜCHTIG UND WUSSTE NICHT EINMAL, WAS GENAU MEINE DROGE WAR.

In den vier Jahren, seitdem ich nun an dem Auf- und Ausbau meines Online-Business arbeite, krabbelte ich immer tiefer in die Fänge von Social Media. Auf der Jagd nach Likes, Followern und Shares habe ich mich selbst fast verloren.

Vor einigen Wochen gingen bei mir die ersten Warnlampen an, als ich endlich erkannte, wie viel von meinem Selbstwertgefühl tatsächlich von Facebook, Instagram und den Google-Analytics-Statistiken abhängig war. Ich teilte auf Instagram ein Bild, das nicht meinem Standard-Schema entsprach (weitläufige Landschaften oder mich klar als Alleinreisende positioniert), und war ernsthaft geknickt, als es „nur“ etwa 150 Herzchen bekam. Knapp die Hälfte meines Standard-Erfolgs.

DU SCHÜTTELST NUN VERMUTLICH ZU RECHT ÜBER MICH DEN KOPF. ICH WÜRDE ES AN DEINER STELLE TUN.

Weil ich noch ganz genau weiß, wie irre ich mich mal über 50 Herzchen gefreut habe. Wie überdreht ich war, als ich auf Facebook die 1000 Likes geknackt hatte. Wie absurd groß mir die Zahl von 10.000 Lesern auf dem Blog erschien und wie ich mich gefühlt habe, als ich sie zum ersten Mal erreicht habe.

Und heute? Werde ich bei 19.000 Facebook-Fans wahrscheinlich nicht einmal mehr mit der Wimper zucken. Hatte ich früher die absurde Vorstellung, mit 30.000 Blog-Lesern „hätte ich es geschafft“, denke ich heute, nachdem zum ersten Mal die 50.000 aufblitzt, dass dann da ja auch 100.000 drin sein könnten.

Wir rennen Zahlen hinterher, die keinerlei echte Bedeutung haben. Und uns niemals gut genug sein werden.

Ich werde nicht mehr geliebt, wenn ich mehr Herzchen auf Instagram gewinne. Ich bin kein besserer Mensch, weil ich diese Zahlen knacke. Aber unbewusst wird uns das durch Social Media suggeriert. Oder vielleicht bin auch nur ich es, die sich davon so abhängig gemacht hat.

Aber das glaube ich nicht.

Ich glaube, dass uns die Medien, sozial oder Print, stärker beeinflussen, als wir es zugeben wollen. Vor uns selbst wie auch vor anderen. Ich sage nicht, dass sie der Kern allen Übels sind, aber sie tragen stark dazu bei, dass wir unser mangelndes Selbstwertgefühl von ihnen bestimmen, regulieren und auffüllen lassen.

Worte wie Influencer geben uns eine scheinbare Bedeutung, eine Wichtigkeit, die am Ende des Tages doch viel zu oft aus gekauften Followern und gefakten Profilen besteht. Wir jagen dem Bild von unserem eigenen, im Scheinwerfer-Licht glänzenden Ich nach, das durch Blitzlichter geblendet von Fans umjubelt und von anderen bewundert wird.

Die Gefahr dabei? Wir legen zu Beginn mit dem Facebook-Profil nicht nur unsere digitale Visitenkarte an, sondern gleichzeitig auch unser Selbstwertgefühl in fremde, anonyme Hände. Der erste Schritt in die Abhängigkeit von Zahlen, Bewertungen, Sucht nach Bestätigung und Aufmerksamkeit.

Nur um am anderen Ende als Roboter ausgespuckt zu werden, der sich hohl und unausgefüllt fühlt, aber diese eine Zahl noch knacken und dieses nächste Ziel noch erreichen muss.

Denn dann wird alles gut. Dann werden wir gut genug sein. Dann werden wir endlich „angekommen“ sein.

MEINE ERKENNTNIS DES TAGES, DER WOCHE, DES MONATS UND DIESES JAHRES: ER WIRD NIE KOMMEN.

Der Punkt, an dem Du Dich gut genug fühlst oder Dich Deiner selbst endlich bestätigt fühlst, solange Du ihn von Zahlen, Likes und der Zustimmung anderer Menschen abhängig machst.

Vielleicht war Dir das alles schon lange klar. In diesem Fall applaudiere ich Dir völlig ohne Ironie und Sarkasmus und gratuliere Dir von Herzen. Falls nicht, hoffe ich, dass Du Dir meine nächsten Worte zu Herzen nimmst:

Niemand kann Dir die Bestätigung geben, gut genug zu sein, außer Du selbst.

Alles, was Du mit Deinem Online-Business erreichen wollen solltest, ist eine starke, unabhängige Einnahme-Quelle und im Idealfall etwas, dass das Leben anderer Menschen positiv beeinflusst. Nicht, weil Du Dich dann wertvoll und wichtig fühlen kannst – Du bist es auch ganz ohne das –, sondern weil es Dich zufriedener machen und erfüllen wird.

Solange Du nach Bestätigung und Akzeptanz in Form von Zahlen, Klicks und Followern von außen suchst und strebst, wirst Du sie niemals finden.

Also schau Dir mal kurz an, wie Du auf Likes, Follower und Google Analytics reagierst, und frag Dich selbst ganz ehrlich: Wie sehr brauchst Du diese Zahlen? Wie sehr beeinflussen sie Deine Laune? Und wie sehr bestimmen sie Deinen Alltag?

Wenn Du all diese Fragen mit „irrelevant“ beantworten kannst, machst Du alles richtig.

Wenn die Antwort über „ziemlich“ hinausgeht, wird es Zeit umzudenken.

Wie oft checkst Du Instagram und von wem welche Herzchen kamen? Wie oft schaust Du in Facebook nach, wie die Reichweite Deines letzten Posts war? Wie oft in Google Analytics, um die Besucherzahlen des Blogs zu checken?

Und wie persönlich nimmst Du es, wenn sie nicht so sind, wie Du sie Dir erhofft hast?

Glaubst Du dann, Du bist nicht unterhaltsam genug? Nicht fotogen, kreativ, lustig, poetisch oder begabt genug? Schlichtweg nicht gut genug?

Dann möchte ich, dass Du ab heute einen Schritt zurücktrittst und der Realität ins Auge schaust:

Follower werden heutzutage gekauft, Herzchen durch kleine programmierte Roboter ergattert oder durch Tricksereien auf sozialen Medien manipuliert. Algorithmen bestimmen, wie viele Menschen Deine Posts sehen, und können lediglich noch durch bezahlte Werbung bestochen werden. Photoshop zeigt Bilder und Menschen in unnatürlichem Status.

Qualität bestimmt heute nicht mehr Deinen (digitalen) Wert. Geld tut es.

Also lass Dich nicht in die Falle locken, Deinen eigenen irrtümlich daran zu heften, wie gut ein Beitrag abschneidet. Gib Dein Bestes, bleib echt und ehrlich und halte Dich an die Menschen, die es auch sind. Die Menschen, die Dir E-Mails schreiben und um Deinen Rat bitten. Die Menschen, die Dir in Kommentaren sagen, wie sehr Du ihnen geholfen hast.

Lass die Zahlen gehen und halt Dich an echten Menschen fest. Denn mit ihnen machst Du am Ende den Unterschied.

Für Dich selbst und für sie.

 

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25 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Wow, Carina, Du sprichst mir wie immer aus der Seele! Zahlen sind oft Schall und Rauch, das weiß ich schon lange – trotzdem habe auch ich mich gerade dabei erwischt, fehlenden Facebook Fans hinterherzutrauern. Wenn Facebook Fans und Likes ein Maß für Erfolg wären, wäre ich eine arme Sau – bin ich aber nicht 😉 Danke Carina für diesen tollen Artikel – der kommt gerade wie gerufen!

  2. Amen, Baby!

  3. Ich freue mich sehr darüber, wenn du dir deine Seele wieder zurück eroberst. Ich verfolge deinen Blog schon seit Jahren und bin en großer Fan deiner authentischen Art. Es ist glaube ich immer schwer, sich im ganzen Business-Alltagstrubel auf seinen Kern zurück zu besinnen. Mach weiter so!

  4. Hallo Carina,
    ein schöner Artikel, der verdeutlicht, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und das eigene Wohlbefinden unter keinen Umständen an Erfolg, Likes und Zahlen zu messen. Just do what you love and have fun!
    LG Sandra

  5. Wunderbar geschrieben! Exactly! SO WICHTIG! Und kann man wahrscheinlich nicht oft genug sagen… Wie Du schreibst, krass genug was das alles mit uns macht und wie man sich selbst da raus ziehen muss…
    Auch ich folge Deinem Blog schon seit 2 Jahren. Und das ist mein ALLERERSTER Kommentar auf einem Blog überhaupt 🙂 yessss 😉
    Also: weiter so, liebe Carina!

  6. Hallo Carina,
    danke für den wunderbaren Artikel! Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, welche Mechanismen da wirken. Likes etc lösen im Körper eine Ausschüttung von Dopamin aus – und das sorgt dafür, dass wir uns glücklich fühlen. So etwas macht süchtig und schwupps, muss immer mehr davon her. (Bereits die Aussicht auf Aufmerksamkeit und Likes sorgt übrigens schon für eine Dompainausschüttung. Deshalb checkt man dann auch immer häufiger seine Social Media Accounts …)

    Einen Schritt zurücktreten, durchatmen und sich bewusst machen, was gerade eigentlich passiert, ist da absolut wichtig. Dankeschön, dass du mich mit deinem Beitrag gerade wieder daran erinnert hast.

    Herzliche Grüße!
    *Sandra

  7. Liebe Carina! 1000 Daumen hoch und 1000 Herzchen für diesen verdammt wahren und ehrlichen Beitrag. Ich habe mir auch schon öfter Gedanken über genau dieses Thema gemacht und gebe Dir vollkommen Recht. Niemand da draußen, kann einem dieses Gefühl des "Gut genug seins" geben, außer man selbst. Ich habe mich vor wenigen Wochen intensiver mit Instagram beschäftigt und merkte, dass es mich anfangs beunruhigte, dass mich manche abonnierten und dann verlor ich wieder Follower. Bis ich merkte, das da oftmals eine Software dahinter steckt oder Menschen, die dir folgen um selbst ein Follow zu erhalten. Ist dies nicht der Fall, wirst du wieder entliked. Ich habe mich davon berfreit. Menschen, die ernsthaftes Interesse haben, die bleiben. Und ich folge Menschen, an denen ich ernsthaftes Interesse habe, egal ob sie mir folgen oder nicht. Was Du schreibst ist genau dir richtige Einstellung zu Social Media. Sie dürfen Dir helfen, Dein Sprachrohr zu sein und Menschen zu erreichen, die zu Dir passen, aber sie sollten niemals Dein Leben und Dein Selbstwert bestimmen. Weiter so! Deine Offenheit und Ehrlichkeit ist genau das was in diesem Bereich gebraucht wird.
    Ganz liebe Grüße, Simone <3

  8. Danke, dass Du mich gerade heute daran erinnerst! Ich kenne das Gefühl, dass Du beschreibst, nur zu gut, und weil ich inzwischen einen guten Abstand dazu habe, hatte ich fast vergessen, wie groß die Gefahr ist, in diese Falle zu tappen.
    Beim Bloggen bin ich noch ganz neu – eben habe ich meinen allerersten Blogpost geschrieben – aber ich werde diesen Artikel ganz fest auf meiner mentalen Festplatte speichern, damit ich nie vergesse, dass ich meinen Blog gestartet habe, um anderen Menschen und mir selbst mit Erfahrungen und Informationen weiterzuhelfen und nicht, um Leserzahlen oder Likes zu sammeln. Das Leben ist so viel schöner, wenn es nicht davon bestimmt wird.

    • Sehr gut, Victoria!
      Das ist glaube ich auch das Wichtigste: sich genau daran immer wieder selbst zu erinnern.
      Liebe Grüße,
      Carina

  9. Ich habe mir seit einiger Zeit fest vorgenommen, die Zahlen Zahlen sein zu lassen, aber besonders leicht fällt es mir nicht. Ich gebe dir natürlich vollkommen Recht!

    Man sollte ja auch bedenken, was so ein Fan wert ist. Wenn es ein echter Fan ist, der wirklich das toll findet, was ich mache und am Ende meine Produkte kauft und ich ihm damit helfen kann, ist es ein richtig guter Fan! Alle anderen Personen sind eigentlich unnötig. Ich habe lieber weniger, aber dafür echte Fans als viele, die mir im Endeffekt nichts bringen.

  10. Hallo Carina,
    wieder ein sehr spannender Artikel.
    Mich würde interessieren, wie wichtig es am Anfang deines Business war, Social Media Kanäle zu füttern?
    Würdest du es dennoch einem Neuling raten, sich dort anzumelden, oder genügt nur der Blog?

    Viele Grüße
    Daniel

    • Hallo Daniel,
      im Artikel geht es nicht darum, ob man sich bei den Social Media Kanälen anmelden soll oder nicht (Du kannst es auch versuchen, dann musst Du eben andere Marketing-Strategien zur Reichweiten-Erzeugung sehr viel stärker befahren) – sondern darum, sich nicht von Zahlen, Statistiken und Likes abhängig zu machen.
      Siehe hier:
      "Also schau Dir mal kurz an, wie Du auf Likes, Follower und Google Analytics reagierst, und frag Dich selbst ganz ehrlich: Wie sehr brauchst Du diese Zahlen? Wie sehr beeinflussen sie Deine Laune? Und wie sehr bestimmen sie Deinen Alltag?

      Wenn Du all diese Fragen mit "irrelevant" beantworten kannst, machst Du alles richtig."
      Viele Grüße,
      Carina

  11. Hey!
    Ja, dieses Thema wird immer mehr Thema ;). Für private Accounts, wie auch für uns als Blogger*innen. Man erwischt sich immer wieder dabei, den Blick zu sehr auf die Zahlen zu lenken. Aber ich muss schon sagen: die Kommentare, Emails und Nachrichten von Menschen, die sagen, dass es ihnen weiterhilft lassen mein Herz doch noch höher schlagen!!
    Aber, ich glaube, es ist total gut, das immer wieder ins rechte Licht zu rücken und deswegen danke für deinen Beitrag. Und auch die Erkenntnis, dass man "mit den Zahlen nie ankommen wird", weil man immer noch will, wenn das das einzige Ziel ist.
    Liebe Grüße

  12. Hallo Carina,

    klasse Artikel!

    Ich selbst habe mittlerweile meinen Social Media Konsum sehr eingeschränkt. Sowohl für meinen Blog als auch privat. Ich finde es irre, wie oft man täglich aufs Smartphone starrt, wie sehr es das eigene Leben beeinflusst und von wirklichen Begegnungen oder anderen schönen Dingen abhält.

    Wichtig ist mir nach wie vor die Anzahl der Besucherinnen auf meinem Kinderwunsch Blog. Diese Zahlen habe ich fest im Kopf und bin um eine Steigerung bemüht. Allerdings geht das auch sehr gut mit qualitativ guten Artikeln, denn die rankt Google auch gerne vorne und sie werden auch von Leserinnen weiterverteilt.

    Mal sehen, ob diese Strategie weiter gut funktionieren wird.

    Herzliche Grüße

    Silke

    • Es geht hier ja auch nicht um schwarz oder weiß oder ganz ohne Social Media. Es geht um den Unterschied, zwischen Besessenheit und Strategie. Da ist nur ein schmaler Grad…
      Liebe Grüße,
      Carina

  13. Josi

    Ich frage mich, welchen Mehrwert Dir Facebook und Instagram bieten, dass Du dieser Thematik solch einen breiten Raum gewährst. An den Likes oder Herzchen im Sinne von ich mag das von Dir kann es nicht liegen oder ist damit auch was zu verdienen außer Bestätigung? Ansonsten ist diese Bestätigungs-Likerei doch ein bisschen weltfremd.
    Liebe Grüße
    Josi

    • Hallo Josi,
      der Kreislauf beginnt ja vor allem dann, wenn man Facebook und Instagram für sein Business nutzt. Genau wie Reichweite auf dem Blog nicht nur Bestätigung sondern eben auch Geld einbringt, sorgt Facebook wiederrum für Reichweite auf dem Blog und Instagram für eventuelle Kooperationsanfragen. Dann vermischt sich der Business-Gedanke oft automatisch mit der Bestätigung dahinter, dass es gut ist, was man tut. Und das ist doch sicherlich definitiv nicht weltfremd, sondern leider sehr gängig, oder? 😉
      Viele Grüße,
      Carina

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