Du kannst "Stell Dich nicht so an!" nicht mehr hören?

Mach Sensibilität zu Deiner Stärke!

Ich bin ein bekennendes Sensibelchen. Ein falsches Wort – und ich grübele den ganzen Tag, was ich falsch gemacht habe. Ein schiefer Blick – und ich bin überzeugt davon, die kann mich absolut nicht leiden. Ein negativer Kommentar – und ich stelle all meine Fähigkeiten infrage und will schon mal die Selbständigkeit abmelden.

Wenn ich ganz ehrlich mit mir selbst bin, dann weiß ich (oder vermute zumindest stark), in 80 % der Fälle basieren der schiefe Blick und das falsche Wort völlig auf meiner Einbildung.

ABER ES LÄSST SICH OFT NICHT VERMEIDEN: MEIN TAG IST DAMIT VERSAUT.

Schon vor einer ganzen Weile wurde mir klar, dass ich in der Selbständigkeit ein dickeres Fell brauche. Ich arbeite seitdem an meinem Selbstwertgefühl und, ja, auch wenn ich das Wort hasse, an der berühmten Selbstliebe.

Vor allem aber habe ich mir ein paar Gewohnheiten antrainiert, die vermeiden, dass ich im Laufe des Tages in ein schwarzes Loch gezogen werde…

 

Morgens: Finger weg von Social Media & E-Mails!

Es ist nicht nur eine Taktik zu mehr Produktivität, es schützt auch mein Schattenkind davor, sich schon am frühen Morgen in eine Kugel zu rollen und nach der Schokoladentafel zu greifen.

Ich vermeide am Morgen alle negativen Aspekte, denen ich mich aussetzen könnte (Betonung liegt hier auf „könnte“, denn in den meisten Fällen sind die Kommentare und E-Mails eher ein Lichtblick des Tages), und konzentriere mich auf das, was mir Spaß macht. Was mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert und die Stimmung schon mal hoch starten lässt.

Je nachdem wie wuselig es gerade ist, meditiere ich mit Headspace, mache Sport und gönn mir ein leckeres Frühstück. Manchmal vergammele ich die erste Stunde des Tages auch noch unter der kuscheligen Decke und lese etwas, das meine Kreativität ankurbelt.

Klingt absolut nicht nach den Morgenroutinen, die uns auf verschiedenen Seiten empfohlen werden, aber wenn ich gerade nicht viel Stress habe oder ein neues Projekt am Start steht, funktioniert das trotzdem genauso gut. Denn die positive Stimmung, die all das hervorruft, wirkt motivierender als alles andere.

 

Mittags: Mach deren Gedanken nicht zu Deinen eigenen!

Es ist ja nicht so, als hätte ich hier den Löffel der Weisheit entdeckt oder das Rad neu erfunden. Wir alle wissen es eigentlich, aber irgendwie sickert es nur selten ins Unterbewusstsein. Es sei denn, Du wiederholst es für Dich selbst immer wieder:

 

Was Menschen sagen, sagt viel mehr über sie aus als über Dich. Nimm Kritik ernst, nicht persönlich.

Twitter das

Bei jeder negativen Aussage versuche ich also immer zu hinterfragen, was sie eigentlich über ihren Absender aussagt. Meist zeigt mir das schnell, dass diese Person eigentlich nur unzufrieden mit sich selbst ist, neidisch oder glaubt, etwas Besseres zu sein.

In allen drei Fällen komme ich zurück zu mir und stelle fest: Ich mag mich so, wie ich bin. Ich stehe hinter dem, was ich tue. Und ganz egal was diese Person darüber denkt, daran ändert sich für mich nichts.

Nach den ersten Momenten, in denen ich mich also leicht geknickt fühle, komme ich mittlerweile schnell wieder bei mir selbst an und stehe drüber. Das erfordert Übung und sehr viel von der ominösen Selbstliebe.

SICH SELBST GENUG ZU SEIN. FÜR SICH SELBST GUT GENUG ZU SEIN.

Aber es lässt sich trainieren. Wie bei so vielem ist das lediglich ein Muskel. Mach ihn stark für Dich!

 

Abends: Sei gut zu Dir selbst!

„Abends“ steht hier als Platzhalter für jede Art von Freizeit, die Du mit Dir selbst hast. Und wenn Du an dem Punkt angekommen bist, dass Dich doch mal wieder etwas getroffen hat, was es eigentlich nicht sollte, dann geh mit Dir selbst um wie mit einem Vogel, dessen Flügel geknickt wurde.

PFLEGE DICH, SEI GUT ZU DIR, TRÖSTE DICH.

Bei aller Rationalität lassen sich manchmal Gefühle eben nicht wegargumentieren, und ich habe langsam die Nase voll davon, dass mir alle versuchen zu sagen, dass ich diese Gefühle ja eigentlich nicht haben sollte oder es gar keinen Grund dafür gibt.

Danke, das hab ich auch schon geschnallt. Sie sind trotzdem da. Wie üblich schon auf der Couch breitgemacht, überall Chips-Krümel verstreut, rülpsen sie in meinem Kopf rum.

Also fläze ich mich manchmal einfach daneben. Werf mir einen Film rein, klau ihnen die Chipstüte und pack die Schokolade aus. Manchmal hilft einfach nichts anderes, als das Gefühl zuzulassen, statt es erfolglos zu bekämpfen.

Also heul Dich bei einer guten Freundin aus (auch wenn Du sie mit diesem Gejammer nicht belästigen willst – genau dafür sind Freunde da!), und verwöhn Dich eine Runde. Es spielt keine Rolle, ob mit Chips, Kino oder einem neuen Kleid.

Das mag also vielleicht psychologisch nicht überkorrekt sein, aber mir hilft es. Am nächsten Tag kommt mein Selbstbewusstsein oft wieder zur Tür rein und hat sogar noch seine BFF „Du kannst mich mal, ich bin genial!“ wiedergefunden.

Kleiner Höhenflug hat nach einem Tiefschlag schließlich noch niemandem geschadet…

Was tust Du, um Deine sensible Seite vor der Vollkontrolle über Dich zu bewahren?

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12 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Liebe Carina,

    schöner Impuls am Wochenenanfang.

    Meine Oma pflegte immer bei Kritik von irgendjemandem zu sagen:
    Die kocht auch nur mit Wasser!
    Und das im tiefsten schwäbischen Akzent! 🙂

    Ich muss ehrlich sagen, dass mir im Laufe der Jahre ein dickeres Fell gewachsen ist. Ich sage mir beispielsweise, dass mich nicht jeder mögen muss. Ich mag ja auch nicht jeden! 🙂

    Und (wie Du schon erwähnt hast) die Kritik wohl mehr über die Person als über mich aussagt.

    Trotzdem kenne ich diese Situationen natürlich auch und mir hilft manchmal erst der zeitliche und räumliche Abstand, um Abstand davon zu bekommen.

    Was ich gar nicht mag (und was leider meinem Eindruck nach gerade unter Frauen sehr verbreitet ist) ist das hinter dem Rücken von jemandem wenig nett und vorteilhaft über diese Person zu reden.

    Mittlerweile hab ich einfach keine Lust mehr auf solche „geselligen Gespräche und Runden“, da ich mich immer frage, was passiert, wenn ich aufstehe und gehe.

    Insgesamt ein interessantes Thema.
    Abschließend frage ich mich, warum gerade wir Frauen damit so zu kämpfen haben. Es ist primär ein Frauenthema oder wie siehst Du das?

    LG

    Silke

  2. Marina

    Liebe Carina
    Deine Worte sprechen mir aus der Seele!
    Es tut auch einfach gut wenn ich im richtigen Momemt einen so treffenden Artikel wie diesen lese und mir dadurch wieder einmal in Erinnerung rufe, dass es neben mir noch unzählige andere Menschen auf dieser Erde gibt, denen es ähnlich geht wie mir.

    Und ja, sich selber etwas Gutes tun, das hilft eindeutig und ist so was von nötig! Wie oft in unserem Leben sind wir für andere da? Das sollten wir mit uns selbst auch tun.
    Danke für deine wunderbar offenen Worte!
    LG Marina

  3. Um ehrlich zu sein: Fortgehen bringt mir Selbstliebe. Selbst wenn aus den meisten Nachtbekanntschaften nichts wird, dieses Gefühl von Attraktivität steigert mein Selbstwertgefühl enorm. Und dann noch Tanzen & Musik, das lässt einen vieles vergessen!

    Ansonsten koche ich gerne, um abzuschalten, oder ich zeichne oder beschäftige mich sonst irgendwie, hauptsache, ich habe etwas zu tun.

    & Gesellschaft suchen ist auch ein guter Tipp!

  4. Leonie

    Wunderschön 🙂

    Ich brauche die Erinnerung auch immer wieder… und bin mir grad erst bewusst geworden wie sehr es mir immer gefehlt hat meine Gefühle vor mir selbst zuzulassen. Und dass andere, Freunde & Familie, meine Gefühle einfach sein lassen (und im besten Falle einfach da sind…). Auch wenn „wird schon alles gut“ meist so lieb gemeint ist…es hat mir unterbewusst immer vermittelt, „stell dich nich so an“ und dass es nicht ok ist wie ich mich fühle…was zu dem Gefühl geführt hat „es ist nicht ok wie ich bin“.

    Nun versuche ich mich langsam dran zu gewöhnen meine negativen und positive Gefühle gleichermaßen zu akzeptieren. Das ist wirklich nicht einfach, aber ich denke es lohnt sich.

    Danke Carina, dass du so viel so offen über (deine) Gefühle schreibst und deine Erfahrungen teilst. Deine Tipps halte ich auch genau für die hilfreichen „Säulen“ für den Selbst-Support.

    Ich wünsche jeder und jedem dass sie/er Wege findet diese umzusetzen und sich selbst eine gute Basis zu schaffen; dann in den akuten Trigger-Situationen mit offenem Herzen und Selbstliebe zu reagieren und sich in den dunklen Stunden liebvoll, akzeptierend, mit dem Vertrauen, dass es wieder besser wird, selbst zur Seite zu stehen.
    Und auch immer wieder Menschen, die dabei sind, liebevoll, akzeptierend und mit Vertrauen…

    [Falls eine Buchempfehlung erlaubt ist.] Für alle denen Meditation und evtl auch (nicht zwingend) Buddhismus nahe ist (oder wer einfach offen dafür ist), ich hab gerade das Buch „Radical Acceptance“ von Tara Brach gelesen, dass mich persönlich sehr berührt hat.

    Viel Liebe für alle Leser! <3

  5. Hallo Carina,
    ich habe es sehr genossen Deinen Beitrag zu lesen. Ich selber betreibe mit ein paar Leuten auch einen Blog und fühle mich immer hart getroffen wenn ein negativer Kommentar oder sonstiges negatives Feedback zurückkommt. Da ich das immer am Morgen mache ist der Tag für ein paar Stunden „blockiert“ und ich mache mir zu viele Gedanken die von der Arbeit ablenken und jegliche Kreativität verhindern. Trotz Neugier am Morgen die mich oft zu den Kommentaren und ins Social Media zwingt, werde ich versuchen es wie Du anzugehen und erst Mittags einen ersten Blick zu riskieren.

    An Silke:
    Nein, das ist nicht nur ein Frauenthema. Das haben wir Kerle auch mit uns zu vereinbaren.

    LG Damian vom Gesund Blog

  6. Huhu Carina,

    tolles Thema, denn hey, wer kennt’s nicht? 🙂

    Ich rufe immer mein imaginäres STOPP-Schild auf den Plan, wenn mir wieder jemand (oder in 99 % der Fälle natürlich ich selbst :p ) etwas einreden will oder negative Stimmung macht.

    Außerdem hilft es mir, mit meinem Freund drüber zu sprechen, der dann seine super gute objektive Sichtweise dazu auspackt und mir einmal mehr klarmacht, dass die Gewitterwolken nur in meinem Kopf existieren. 😀

    Lg, Feli

  7. DANKE für diesen Beitrag, Carina!

    Gerade, von man von Anderen als die Starke gesehen wird, ist es umso schwerer, das aufrecht zu erhalten. Sensibilität ist ja auch so ein negativ behaftetes Wort in unserer Gesellschaft. Kommt mir zumindest so vor.
    Schön, dass es mal jemand als Stärke bezeichnet! 🙂

    Gerade deinen Tipp, negative Aussagen, bzw. die Menschen dahinter zu hinterfragen, ist genial! Da hab ich noch nie dran gedacht.
    Man winkt Kritik ja schnell mal mit Sätzen wie „Ach, die ist nur neidisch“ ab – aber los lässt sie Einen dann doch nicht.
    Da dürfen Decke + Schokolade (in meinem Fall dann auch eher Chips ;)) schon mal sein, aber eine Dauerlösung ist das natürlich nicht.
    Ich werde es also mit deinem Tipp versuchen. Das wirkt bestimmt auch, wenn man sich (wie ich gerne…) negative Gedanken nur einbildet.

    Alles Liebe und… ich kann den 1. September schon gar nicht mehr erwarten! 😀
    Chrissi

  8. Vera

    Liebe Carina,

    danke dass Du nicht besonders herzerwärmend schreibst 🙂 Im Ernst, ich finde Du schreibst sehr (Achtung: Unterstrichen und kursiv) herzerfrischend! Das ist es was ich, und offensichtlich noch viele andere Leser brauchen. Ich kann nicht mehr hören, dass ich mich den ganzen Tag mit mir selbst ausandersetzen soll und mich lieben soll und dauernd meditieren soll damit ich zu mir finde. Alles tolle Mittel, aber ich muss mich doch auch mal ärgern dürfen und auch mal traurig sein dürfen wenn es nicht läuft oder mich jemand nervt. Dann heul ich meinem Freund oder einer Freundin die Ohren voll und am nächsten Tag isses wieder gut. Oder noch einen Tag später.
    Mach das mal bitte weiter so, das ist wichtig für mich, auch wenn ich den ganzen Tag im Büro verbringe und nicht im Onlinedschungel.
    Viele Grüße
    Vera

    • Hallo, da muss ich dir absolut recht geben. Ichfinde auch das die ganzen Werkzeuge zum Meditieren etc sehr hilfreich sind, aber dennoch finde ich auch dass man mit der Faust auf den Tisch hauen sollte wenn einem etwas nicht passt. Immer nur kleinbei geben damit man sich nicht ärgert und ruhig und gelassen bleibt, ist manchma nicht leicht, und wie gesagt manchmal tut es eben auch verdammt gut Dampf abzulassen. Danke

  9. Stefanie

    Deine Texte stoßen an, wenn ich sie lese!! Hätte ich vor 4 Jahren auf mein Herz gehört,(mein verstand meinte ich brauch den Mann der auch hier dumm rumsitzt,weil mir das o das net liegt & meine Angst war riesig!!) hätt i das was ich im Netz gefunden hatte.. einfach mal probiert & an mich geglaubt* wer weiß wo i schon wäre?…Von Jahr zu Jahr verfolge ich nun nur das Internet, lese & schau anderen dabei zu*
    Weiß das wenn ich nicht bald was aufbaue…Keine wirkliche Chance mehr besteht, meine Träume zu erreichen!!
    Jetzt kommst du*** …
    Voll bepackt mit tollen Sachen.. Die Tips sind Gold für mich!!! Danke Danke Danke**
    Jetzt muss ich mir nur meiner selbst bewusst werden, fest an mich glauben & zeigen das ich’s kann!! Wenn’s anders wäre, hätte ich 2012 nicht mal gewusst was Internet-Business heißt geschweige denn das das geht!!Oder??
    FühlDichFettGedrückt****
    Hoffe das wer US mal kennen lernen..

    Lg..deDelle*

  10. Danke für diesen tollen Artikel!
    Das Spannende ist, daß man irgendwann einen Impuls in die richtige Richtung bekommt und dann plötzlich Gleichgesinnte findet. Seit ich meinen inneren Kämpfen den Namen Hochsensibilität gegeben habe und meine Empfindungen und Gedanken dadurch bewußter erlebe, fühlt es sich viel besser an!

    Und einer der wichtigsten Aspekte des Älterwerden ist (zumindest bei mir): Ich habe ein immer besseres Selbstbewußtsein, kenne meine Qualitäten gut und durchschaue und stoppe "Machenschaften" anderer viel früher. Und ja, ich habe gelernt, daß mich nicht jeder mögen muß 🙂

    • Hi Anja,
      ja, das kann ich absolut unterschreiben!
      Schade, dass wir erst älter werden müssen, um all das zuzulassen und zu erkennen.
      Aber das gehört vermutlich einfach zum Mensch-sein dazu…
      Liebe Grüße,
      Carina

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