Wie viele Zertifikate muss ich besitzen, um eine Expertin zu sein?

(Psst... gar keine!)

DER ALLERGRÖSSTE IRRGLAUBE ZU BEGINN DEINES ONLINE-BUSINESS?

Dass Du Dich damit kleinredest, noch keine „Expertin“ in Deinem Thema zu sein.

Wie oft ich lese oder höre, Frauen wollen erst noch diesen oder jenen Kurs machen, eine supertolle Fortbildung, die sie unbedingt noch brauchen, oder sich noch gründlicher belesen, bevor sie starten, passt auf keine Kuhhaut mehr.

Jedes Mal möchte ich mich gern in ein Flugzeug setzen, vor deren Tür aufkreuzen und sie durchschütteln.

Ersteres ist natürlich geschummelt (ich hasse fliegen), aber die letzten beiden Punkte meine ich absolut ernst.

Es macht mich so traurig, dass wir viel zu oft denken, wir sind nicht gut genug, noch nicht schlau genug oder noch nicht qualifiziert genug.

Im unwahrscheinlichen Fall, dass Du virtuelle Herzchirurgie anbieten möchtest oder Dich erst seit gestern für das Thema begeisterst, mit dem Du nun etwas bewegen und Geld verdienen möchtest, lasse ich dieses Argument gelten.

In allen anderen Fällen bist Du absolut ausreichend qualifiziert. Das Wort Experte wird nämlich chronisch überbewertet.

Wir werden in unserer Gesellschaft darauf getrimmt, dass wir nur dann qualifiziert anderen Menschen weiterhelfen können, wenn wir etwas besitzen, auf dem unser Name in Verbindung mit einem offiziell und furchtbar wichtig aussehenden Stempel erscheint.

Völliger Schwachsinn.

Was Dich zur Expertin macht?

Deine Erfahrung in einem speziellen Gebiet. Die Zeit, die Du bereits investiert hast, besser darin zu werden. Und  dass andere Menschen Dich als solche bezeichnen.

Das ist nämlich der eigentliche Haken.

Du selbst musst Dich nicht einmal als Expertin benennen. Du musst Dich nicht einmal als solche ansehen.

Überlass das einfach anderen.

Als ich mit meinem ersten Blog Pink Compass zum Thema Alleinreisen begonnen habe, war ich definitiv keine Expertin darin, alleine die Welt zu bereisen.

Es gab Hunderte, sogar Tausende von Frauen, die viel früher mit dem Reisen begonnen haben (ich war schon 30!), die viel mehr von der Welt gesehen hatten (ich war schließlich nur in Australien und Südostasien gereist) und in viel exotischeren Ecken waren (exotischer als Laos war es bei mir bis dahin nie).

Aber anstatt mich darauf zu konzentrieren, wie viele Frauen besser geeignet wären, über dieses Thema zu schreiben, konzentrierte ich mich auf zwei Fakten:

Niemand hatte meine Stimme, niemand hatte meine persönlichen Erfahrungen und niemand war so ein großer Angsthase wie ich.

Das kannst Du nun drehen, wie Du willst, aber es war etwas, das mich von anderen, die es vielleicht besser hätten machen können und die eine klassischere „Expertin“ gewesen wären, deutlich trennte.

Und ich wusste, dass sich viele Frauen genau mit diesen Aspekten von mir identifizieren könnten.

Was mich zum zweiten Punkt bringt:

Genauso wie es Hunderte und Tausende gab, die besser darin waren als ich, gab es mindestens doppelt so viele, die es nicht waren.

Wir konzentrieren uns immer so stark darauf, zu sehen, was wir alles nicht sind, was uns fehlt und was uns schwächt, dass wir immer wieder übersehen, wo darin die Stärke liegt.

Wenn Du ein absolut unschlagbares Bananenbrot backen kannst (hier, ich!), das auf jeder Party von Dir als Mitbringsel eingefordert wird, hast Du Tausenden etwas voraus, das sie nicht können.

Musst Du deswegen Bananenbrot-Back-Expertin sein? Brauchst Du ein Bäcker-Diplom dafür, anderen beizubringen, wie man es hinbekommt, dass das Bananenbrot so schön saftig wird? Nö.

Ich hätte nach meiner ersten Reise durch Australien und Südostasien nie wieder einen Fuß vor die Türe setzen müssen und trotzdem bis heute Leserinnen auf meinem Blog.

Denn selbst heute sind die meisten Frauen, die mir schreiben, noch nie alleine gereist.

Was mich für sie immer noch als Expertin ausweist.

Das beweist etwas ganz Wichtiges: Nicht Du musst Dir diesen Titel geben.

Den geben Dir die Menschen, die Du erreichst. Und wenn Du Dir die richtigen Menschen aussuchst (ganz richtig – Du bestimmst, wen Du erreichst!), dann wirst Du vom ersten Tag an eine Expertin sein.

Auch ganz ohne Diplom, Zertifikat oder diesen furchtbar wichtigen Kurs, den Du noch brauchst.

Denn die Einzige, die glaubt, Du bist noch nicht bereit? Bist Du.

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17 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Liebe Carina,

    Danke für den wunderbaren Artikel.
    Ich bin gerade dabei, mich selbständig zu machen. Dabei erhalte ich von vielen Seiten die Hinweise, unbedingt viele Zertifikate vorzuweisen!
    Ob die Frau, bei der ich zum Coaching war, Zertifikate hat weiß ich nicht. Es war mir auch egal. Ich hatte monatelang auf ihrem Blog mitgelesen und so gespürt, dass die Chemie stimmt.
    Was für mich noch wichtiger war: Sie ist den Weg bereits gegangen, auf den ich mich begeben möchte.

    Herzliche Grüße,
    Sabine

    • Hi Sabine,
      so ein toller, passender Kommentar!
      Genau das ist nämlich der Punkt: Qualifikationen, besonders die Social Skills, lassen sich nicht belegen, bestempeln oder nachweisen.
      Liebe Grüße zurück,
      Carina

  2. Hallo liebe Carina,

    mal wieder ein Artikel von der Sorte „freundlicher Arschtritt zur rechten Zeit“ – danke Dir ? Wie Du vielleicht weißt, hab ich sogar Zertifikate in einem Bereich meiner gerade beginnenden Selbstständigkeit… Trotzdem sind die von Dir beschriebenen Selbstzweifel mir auch in diesem Bereich nicht fremd ? Deswegen geben mir Artikel wie dieser hier immer wieder genau den Impuls, den ich brauche, um trotz der Zweifel hochmotiviert weiter zu machen!

    Merci und einen schönen Tag!
    Suze

    • Haha – immer wieder gerne, Suze <3
      Ich glaube, es macht überhaupt keinen Unterschied wie viele Zertifikate Du hast, wir fühlen uns meist unterqualifiziert. Das wird uns aber auch von klein auf so eingetrichtert.
      Ablegen. Sofort. 🙂
      Liebe Grüße zurück,
      Carina

  3. So ein toller Post! DANKE! Er kam sozusagen wie gerufen, denn ich habe mir in den letzten Woche viele (wahrscheinlich zu viele) Gedanken um dieses Thema gemacht. Und es nervt mich, das hier in Deutschland der Titel oft so viel zählt. Dabei ist er doch in Wahrheit so viel weniger wichtig als das tatsächliche können. Und das zeigt sich nunmal nicht im Titel!
    Danke für diesen tollen Post!
    xx Ronja

    • Hi Ronja,
      freut mich, dass ich da den richtigen Zeitpunkt erwischt habe 🙂
      Aber ich glaube, auch Deutschland ist da gerade im Wandel. Sonst wären Online-Businesse nicht so ein großes Thema…
      Ganz liebe Grüße,
      Carina

  4. Liebe Carina,
    Du hast ja so Recht. Leider scheint es eine besondere Gabe zu sein, uns klein zu reden. Wir stellen unser Licht unter dem Scheffel. Ich sage immer, wenn wir zu einem interessanten Thema 2-3 Bücher lesen, haben wir den Meisten Menschen in unserer Gesellschaft etwas voraus und können uns als Experte bezeichnen.
    Darf ich dich bei der Gelegenheit zu meiner Blogparade einladen? Es geht um die Liebe zur Natur. Als Weltreisende sehe ich dich da auch in einer Expertenrolle.
    Liebe Grüße
    Frank

  5. Ich denke so ganz ohne eine „Grundwissen“ geht es nicht. Was man sicherlich nicht braucht, sind zig Zertifikate, die im Grunde nur bescheinigen, dass mein Seminar/Aus- oder Fortbildung besucht hat und nicht ob man das wirklich anwenden und weiter vermitteln kann. Theorie ist das ein, letztendlich kommt es auf die Praxis an. Und diese bekommt man nur, indem man etwas tut, wagt, beginnt.
    Wie überall anders auch, wird man hier seine Erfahrungen sammeln. Gute und weniger gute, denn das ist letztendlich Entwicklung. Es scheint ein deutsches Phänomen zu sein, dass die Menschen immer das Gefühl haben, noch nicht gut – nicht ausreichend qualifiziert zu sein und sich nicht trauen. Mal ganz ehrlich: Was kann schlimmstenfalls passieren?
    Ich habe im übrigen auf meinem Blog hierzu ein Freebie: von der Angst zum Mut.
    Das ist was den meisten Menschen fehlt: Mut – Vertrauen in die eigene Kraft, Stärke, Entwicklung.
    Ich rate allen: Tu es einfach! Trau dich! Probiere dich aus! Nur so wirst du erfahren, was dein Gegenüber von dir erwartet, ob dein Wissen reicht und wo du nachbessern musst!
    Licht und Liebe – Gina

  6. Doris

    Liebe Carina,
    wie immer herrlich erfrischend und auf dem Punkt. Stehe beruflich im Moment am Scheideweg und mach mir selbst das Leben schwer, da ich weder einen Studiums- oder einen Matura-Abschluss habe. Nichts desto trotz habe ich ein Projekt in Kanada geleitet und eines in Amerika mit betreut. Das Feedback von außen ist sehr ermutigend, nur wie schafft man es die Stimme im Kopf verstummen zu lassen?
    War grad am Zertifikatskurs-Suchen, aber das „richtige“ wollte nicht kommen. Vielleicht gerade deswegen.
    Mach weiter so!!

  7. Christine

    Liebe Carina,

    ein wunderbarer Artikel den ich gerne mal großzügig an meinen Mädelskreis weiterleite. Gerade hatte ich das Thema erst mit zwei Freundinnen und es spricht uns aus der Seele. DANKE, dass Du es so auf den Punkt bringst!
    Vielleicht gibt uns das nun den finalen Schub uns zu verwirklichen!

    Ganz großes Kompliment an Deine Arbeit – ein wirklich großer Mehrwert für uns überkritische Frauen : )

    Lieber Gruß,
    Christine

  8. Hallo Carina,
    auch ich hatte große Zweifel, ob ich denn eine Expertin sei. So ganz ohne irgendeinen Abschluss oder so. Tatsache ist aber, dass ich mich während meines gesamten Studiums mehr um meine außeruniversitären Interessen gekümmert habe als ums Studium. Ich habe mir die Nächte zu gern für Projekte, die rein gar nichts mit der Uni zu tun haben, um die Ohren gehauen. Aber für die Uni… Pfff… Nee, lass mal!

    Irgendwann gegen Ende des Studiums kam mir die Erkenntnis, dass ich mich wie ein Scharlatan fühlen würde, würde ich in meinem studierten Beruf arbeiten. Ja klar, ich hätte dort ein Zertifikat. Aber so richtig sagt es doch eigentlich nichts aus. Diese Erkenntnis hat mich wachgerüttelt und mir das Selbstvertrauen gegeben, auch ohne Zertifikat durchstarten zu können.

    Viele Grüße
    Maike

  9. Ich bin in diesem Thema schon weit gegangen und finde es super dass du es aufgreifst.

    Gerade erst hab ich zumindest schonmal einen vor-ort Kurs angefangen zu verkaufen, bevor ich selber mit einer Fortbildung tiefer ins Thema eingestiegen bin. Das Zerti werd ich nur machen, weil der Preis incl war.

    Gleichzeitig denke ich erstmals ernsthaft über Angebote nach, zu denen ich „nur“ selbst gemachtes wissen habe. Echt ein neues und spannendes Gefühl!

    Danke f d mutmachenden Artikel!

    ~Tabea

  10. Liebe Carina,

    oh, ja, das kenne ich auch nur zu gut! Und ich weiß von mir, wie oft ich dachte: Brauche ich am Ende dieser tollen Ausbildung mit begeisternden Menschen, super Inhalten und all dem, was sich in mir bewegt hat wirklich dieses Blatt Papier, auf dem „Zertifikat“ steht (ok, ich habe es genommen und abgeheftet, mehr nicht)? Und wie oft habe ich gehört, dass Menschen mich nach meinen Abschlusszeugnissen der Uni oder anderen Ausbildungszertifikaten fragen würden. Getan hat es nie jemand.

    Was für mich viel mehr wert ist (bei mir wie bei anderen), ist das, was ich tue. Wie ich lebe. Welchen Weg ich gehe.

    Denn ich kenne zig Coaches, die keine Ausbildung haben und wirklich gut sind. Und ich kenne solche, die viele Ausbildungen haben und mich mit meinen Anliegen und Bedürfnissen nicht wirklich verstehen.

    Was nicht heißen soll, dass ich nicht auch Ausbildungen mache, Seminare besuche. Allerdings nicht, um mir hinterher ein Zertifikat an die Wand zu hängen. Sondern weil mich die Themen wirklich begeistern, weil ich tiefer einsteigen möchte. Das macht für mich einen großen Unterschied.

    Ich glaube, es ist spürbar, wenn eine das, was sie tut, wirklich mit Begeisterung, Visionskraft, Freude und aus ganzem Herzen tut. Das wirkt. Vielmehr als jedes Zertifikat.

    Herzlich,
    Sabrina

  11. Anna Schreiner

    Liebe Carina,
    DANKE für diesen Artikel. Du hast bei mir den wunden Punkt getroffen.
    Im Februar 2016 habe ich ein Gewerbe angemeldet und biete Meditationsabende (momentan in meinem Wohnzimmer)an. Es geht nicht NUR um meditieren sondern auch um mit Gleichgesinnten reden, um Austausch.
    Ich hab Website, Flyer….und auch 2(nur 2) Kunden, die gerne zu mir kommen.
    Aber meine Unsicherheit sagt mir "hol dir Meditationsleiter-Zertifikat", sonst bist du eine Betrügerin, eine Amateurin.
    Wegen diese Unsicherheit habe ich Flyer Verteilung gestoppt(und natürlich finden mich neue Kunden nicht)….und spiele mit den Gedanken mir einen Online Kurs zum Meditationsleiter zu holen.

    Dein Artikel bringt mich zum Nachdenken.
    Dafür DANKE ich dir.

    Viel Sonne für Dich

    Anna

  12. Katy

    Hallo,

    Leider ist es oft in Österreich hier nicht so einfach. Ich darf mein Gewerbe ohne den entsprechenden Kurs nicht anmelden und brauche dieses Zertifikat (das dazu noch enorm teuer ist),obwohl ich ebenfalls vollkommen der Meinung bin, dass ich auch ohne sehr gute Arbeit leisten kann, weil ich die Erfahrung habe und es selbst erlebte. Aber ja, um die Regeln kommt man dann leider doch nicht immer herum :/ trotzdem danke für den Artikel… Sehr spannendes Thema!
    Liebe Grüße, Katy

    • Hi Katy,
      das ist ja ärgerlich!
      Ich habe in Deutschland zum Glück, oder leider, in Deinem Fall, noch nicht von so einer Regel gehört.
      Welche Selbständigkeit strebst Du denn an? Kommt das vielleicht auch auf den speziellen Fachbereich an?
      Liebe Grüße,
      Carina

      • Katrin

        Hallo, hab erst jetzt gesehn dass du hier geantwortet hast! Ich möchte mich nächstes Jahr als Personal trainerin selbständig machen. Aber spezialisiert auf Trauerbewältigung durch Sport. Für das Personal training brauch ich ein Zertifikat. In Deutschland ist das kein Problem. Den Trauerbegleiterkurs mache i no dazu, darf dann aber nicht selbständig als Trauerbegleiterin arbeiten, und müsste no den Sozialberater machen (10000€). In Deutschland darf man das aber auch nur mit diesem einen kurs. Deshalb nenn i mi an erster Stelle personal trainerin 🙂 (für trauernde Menschen halt).
        Glg katy

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