"Sieht mein Hintern in diesem Selfie fett aus??"

Obwohl Du vermutlich die nächsten zwei Minuten damit verbringen wirst, Dir vorzustellen, wie man von seinem Hintern ein Selfie schießt, werde ich versuchen, Deine Aufmerksamkeit auf einen viel wichtigeren Punkt zu lenken …

Nämlich darauf, dass Du das Rampenlicht und die Scheinwerfer nicht lieben musst, um darin zu glänzen. Du musst nicht mal darin erscheinen und darfst sogar schüchtern sein.

Gestern Abend habe ich mich mit einem Freund und einer meiner größten Inspirationsquellen unterhalten. Wenn Du ihn kennenlernst, bist Du nach spätestens fünf Minuten davon überzeugt, dass er für das Scheinwerferlicht gemacht ist.

Er brilliert mit seinen Vorträgen und bringt Hallen mit seiner Energie zum Beben und Jubeln. Er ist die geborene Rampensau.

Aber sogar er gesteht in ruhigen Minuten (zugegeben mit etwas Alkohol, der die Zunge lockert), dass er mit dem Scheinwerferlicht eine Hassliebe teilt.

Er liebt es, auf der Straße erkannt zu werden, und hasst es, auf Bewunderung und Komplimente reagieren zu müssen. The Awkward Moment. Gefolgt von einem gezwungenen Lächeln und ungemütlicher Stille.

Und nun mal ganz ehrlich: Geht es nicht vielen von uns so??

Wir alle wollen uns bestätigt fühlen, wollen hören, wie toll wir sind, aber wir wollen es nicht direkt ins Gesicht geschleudert bekommen. Wir wollen uns dem nicht stellen müssen. Weil wir irgendwie doch schüchtern dabei sind.

Deswegen fürchten wir den Fame, Bühnen und Selbstdarstellung in jeder Form.

Deswegen lieben wir jegliches geschriebene Kompliment, weil wir uns beim Lesen ein Loch in den Bauch freuen können, die Rührungstränchen wegwischen können und später unseren besten Freunden heimlich davon erzählen können, ohne wie ein Angeber dazustehen.

Nun trifft uns damit aber eine entscheidende Frage:

Gibt es Erfolg ohne Scheinwerferlicht? Können wir auch schüchtern glänzen und glitzern?

Oder müssen wir uns einfach damit abfinden, wenn wir uns für den Weg entscheiden, der etwas in der Welt bewegen soll, der Menschen inspirieren oder zu Größerem bewegen soll, dass wir uns zwangsläufig, egal ob schüchtern oder nicht, auch Bühnen, Reden und Interviews stellen müssen?

Die grausame Antwort: ein Stück weit schon. Ja.

Aber Du selbst bestimmst, wie weit Du dabei gehen musst.

Stay true in the dark and humble in the spotlight! – Harold B. Lee

Twitter das

Du musst nicht jeden Tag und in jeder erdenklichen Situation Selfies auf fünf verschiedenen Kanälen verbreiten.

Du musst bei einem Vortrag nicht die Menge zum Springen, Tanzen und Jubeln aufrufen.

Du musst nicht auf jedem Networking-Event zum Partylöwen mutieren.

Stattdessen kannst Du Dich darauf verlegen, ruhig und energisch Erfolg anzustreben, und darfst auch gern schüchtern sein.

Verbreite weise Worte, wertvolle Erkenntnisse und Aha-Momente wie andere Menschen Visitenkarten. Bring sie dazu, Deine Nachricht weiterzutragen, ohne dass Du sie allen Menschen ins Gesicht schleuderst.

Sei ein Vorbild, dem andere nacheifern, in dem, was Du tust, was Du darstellst, oder mit dem, was Du weitergibst und schaffst.

Bring die Herzen und den Verstand der Menschen von der Bühne aus zum Glühen, ganz ohne Tanzeinlagen und Jubelschreie. Schüchtern, ruhig und zurückhaltend.

Einzig mit einem viel wertvolleren Werkzeug:

Deiner Stimme. Deinen Worten. Und Deiner Aussage!

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4 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Khrista

    Hi Carina,

    zuerst einmal: ich finde dein neues Projekt klasse und lese begeistert mit! Da ich auch selbstständig bin und noch dazu in einer Branche (Kreativ- und Medienbereich) arbeite, in der ich „performen“ muss bzw. denke, es zu müssen, finde ich das Thema „Auftreten und Selbstdarstellung“ interessant.

    Das wichtigste, was ich in den 4-5 Jahren meiner Selbstständigkeit gelernt habe, ist authentisch zu sein und zu bleiben. Die ersten Jahre habe ich mich viel vom Auftreten anderer (Kunden, Konkurrenz) blenden lassen, habe mich beeindrucken und beeinflussen lassen, versucht danach zu streben, genauso zu sein, bis ich festgestellt habe, dass es für mich so nicht funktioniert und letzten Endes nur Schein ist. Letzten Endes wollen sie auch nur ihr Ding verkaufen 😉

    Natürlich habe ich mir einige positive Aspekte abgeschaut und sie in meine Business-Philosophie integriert 🙂

    In jedem von uns liegt eine gewisse Kraft, jeder von uns glänzt auf seine Art und Weise schön, wichtig ist, dass man für sich selber einen Weg findet, mit dem man sich gut fühlt und ganz bei sich ist.

    Alles Liebe aus München,
    Khris

    • Hi Khris,
      toll, dass Du hier bist! 🙂
      Ich finde es ganz spannend was Du beschreibst – mir ging es nämlich anfangs genauso!
      In der Reiseblogger-Szene hat auch so jeder sein Image. Manchmal nur auf dem Blog (dann ist man völlig verwundert, wenn dieser Mensch vor einem steht und so gar nicht sein Image verkörpert) und manche on- und offline.
      Vor allem merkt man aber ganz schnell – und ich vermute stark, dass ist in jeder Branche so – wer eben nur eine Fassade aufgebaut hat oder groß daherquatscht. Und plötzlich wird auch die Heldenverehrung ganz schnell weniger.
      Das war auch der Punkt bei mir, an dem ich auch einfach nur noch ich selbst sein wollte. Und das auch genug war!
      Also, genau wie Du, eine Pro-Authentizität-Kämpferin. Wir kommen weiter im Leben, da bin ich sicher!
      Viele liebe Grüße,
      Carina

  2. Hi Carina!
    Ein toller Denkanstoß, danke! Habe mir über das Thema auch schon so oft den Kopf zerbrochen. Gleiche Krankheit: Medienbranche. Man braucht einige Zeit, um zu lernen, dass viele der selbstdarstellerischen Rampensäue nur kurzfristig von ihrem Erfolg zehren können. Eine Zeitlang hat es mich aber fast aufgefressen, dass andere, die weniger konnten als ich und sich aber einfach besser verkauft haben, dadurch einen Vorteil hatten. Und ich habe mich schwarz geärgert über mich selbst, weil ich es eben nicht auf die Reihe bekommen habe, mich ins rechte Bild zu rücken.
    Mittlerweile bin ich aber auch durch positive Erfahrungen an dem Punkt angekommen, an dem ich weiß was ich kann und wie ich es transportieren kann, ohne aufdringlich zu wirken.

    • Hi Miriam,
      toller Kommentar, danke dafür!
      Mir ging es ganz genauso wie Dir und der Weg des „stilen“ transportierens, den muss man erst einmal für sich entdecken.
      Und vor allem bewährt sich immer wieder eines: Qualität.
      Die trägt sich nämlich selbst.
      Viele liebe Grüße aus Vancouver,
      Carina

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