"Carina, wie schaffst Du das alles?!" Ähm. Gar nicht.

(Ein Krisen-Update)

Kurzer Hinweis: Meine Texte können Werbung zu meinen Produkten oder auch Werbe-Links (*) zu Produkten enthalten, die ich empfehlen kann.

Ich bewundere aktuell Frauen, die nach außen diese Krise rocken, als wäre es ein kleiner Schluckauf.

Sie spucken weiter regelmäßig Posts auf ihren diversen Social-Media-Kanälen aus, veröffentlichen Artikel, Podcasts und ach ja, klar… nebenbei noch Bücher oder neue Kurse.

Ich sitz währenddessen hier, kratz an dem geschmolzenen Schokoladenfleck auf meinem Bürostuhl rum und überleg ’ne halbe Stunde (während ich meine rosa Wand vor mir anstarre), ob ich meinen, nicht ganz so absichtlich, messy Haarknoten mal richten sollte, den ich seit zwei Tagen nicht gebürstet habe. Entscheide mich aus Motivationslosigkeit dagegen.

Und dann bekomme ich gestern Abend die Nachricht einer lieben Freundin:

„Ich komm mir so unfähig vor. Während ich gefühlt nix auf die Reihe bekomme, flattert Dein Newsletter mit dem neusten Artikel bei mir rein und Dein Audioblog geht zwei Mal die Woche raus. Respekt!“

Äh… ok, hier läuft was falsch.

Hier läuft was richtig, richtig falsch.

In genau dem Moment, in dem ich das lese, fühl ich mich richtig mies. Wir quatschen alle von Solidarität, während wir trotzdem brav die Fassade vom Bröckeln abhalten, indem wir sie schnell noch mit schicker Tapete bekleben und auf die Art notdürftig zusammenpappen.

Zeit für #realtalk, meine Liebe.

Ich habe gestern Abend zum ersten Mal seit über einem Monat mal wieder in einem Buch* gelesen, das mehr als zwei Hirnzellen von mir benötigt. (Stattdessen hab ich die letzten Wochen zum etwa hundertsten Mal die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier gelesen. #dergutestoff)

Dabei habe ich es gefeiert, dass ich mehr als zwei Absätze lesen konnte, sie nicht drei Mal lesen musste und (hier hab ich mich selbst mit Konfetti dafür beschmissen) mir den Inhalt dieser Absätze sogar gemerkt habe! Wirklich! Kann es selbst kaum fassen.

Ja, richtig, ich schreibe weiter Artikel wie diesen, E-Mails und veröffentliche Audioblogs… aber weißt Du, unter welchen Bedingungen?

Ich lasse alles stehen und liegen, wenn mir ein Artikel in mein derzeit nicht voll funktionsfähiges Hirn schießt, damit er sich bloß nicht wieder verflüchtigt.

Ich habe vorgestern 5,5 Stunden für die Vorbereitung einer E-Mail und einen Monat Buchhaltung gebraucht – Aufgaben, die ich sonst in 2 Stunden lässig von der To-do-Liste wische.

Ich veröffentliche zwei Audioblogs in der Woche… weil ich nichts, wirklich nichts (ich möchte hier drei Ausrufezeichen einsetzen) dafür tun muss, als sie einmal einzulesen. Es sind schließlich existierende Artikel. Zeitaufwand? 10–20 Minuten.

Den Rest, die gesamte technische Arbeit darum herum, erledigt meine göttliche fleißige Biene im Hintergrund, der ich aktuell täglich die Füße küssen möchte, für das, was sie tagtäglich alles für mich erledigt, während ich noch über das Vogelnest auf meinem Kopf nachdenke.

Ehrlich – ich habe keine. Ahnung. wie sie das packt momentan.

Sie hat nicht nur mich als Kundin, sondern balanciert nebenbei ihr eigenes Online-Business. Sie hat aktuell dauerhaft einen 3,5-Jährigen zu Hause, der mitten in all dem mal eben beschlossen hat, er gewöhnt sich jetzt die Windeln ab. Und sie kocht nebenbei (zur Entspannung), liest (Melinda Gates statt Kerstin Gier), macht Yoga (um sich trotz Isolation zu bewegen) und rockt ihren Instagram-Kanal.

Diese Frau ist ein absolutes Zeit- und Energiewunder!

Und ich? Joah.

Ich hab mit meiner Freundin, die mir diese Nachricht gestern geschrieben hat, so einiges gemeinsam.

Ich fühl mich genauso unfähig.

Aber weißt Du, was mir dabei so richtig klar wurde? Uns geht es mit Sicherheit gerade allen so.

Wir himmeln Menschen an, deren Fassade wir sehen, aber nicht das Chaos dahinter.

Die Nerven, die blank liegen. Der Frust, der manchmal rausbricht. Die Wutanfälle, die genauso wenig erklärbar sind wie die der 3-Jährigen vor der Supermarktkasse. Die Unfähigkeit, sich verdammt noch mal einfach einmal täglich die dämlichen Haare zu bürsten. Wie schwer kann das bitte sein??

Wir sehen nur das, was Menschen uns sehen lassen.

Und das unterscheidet sich auch sonst kein bisschen von der aktuellen Situation.

Also lass Dich davon nicht unterkriegen. Fertigmachen.

Oder unfähig fühlend unter die Decke krabbeln.

Jede von uns tut, was sie kann. Jeden Tag.

Und wenn das eben aktuell einfach nur bedeutet, die Haare zu bürsten oder regelmäßig mit dem Hund rauszugehen, weil er Dich sonst anpinkeln würde?

Dann ist das einfach mal gut genug.

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UM180GRAD_GBT
6 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Ganz genauso ist es, Carina! Ja, irgendwie bekomme ich die Dinge geregelt, aber glamourös und schön ist das keineswegs! Der Spagat zwischen Kind und Beruf ist schwierig, vor allem in Zeiten wie diesen! Aber ich habe mich damit abgefunden, dass es aktuell nunmal so ist.

    Wir sollten alle nicht so hart mit uns sein. Wenn ich überlege, dass es da gerade einen Virus gibt, der mal eben die ganze Welt lahm gelegt hat, dann ist es doch auch ok, wenn es bei uns nicht "ganz so rund" läuft. Immerhin läuft es noch.

    Dieser Gedanke ist es, der mich weitermachen lässt. Ich versuche so viel es geht das Positive zu sehen (nein, auch mir gelingt das nicht immer) und in Lösungen zu denken.

    Ist die Situation ideal? Nein, sie könnte nicht weiter vom Idealzustand entfernt sein! Aber wir ALLE können verdammt nochmal richtig stolz auf uns sein, weil wir weitermachen. Weil wir nicht aufgeben. Weil wir durchhalten, bis diese ganze Sache überstanden ist.

    Und dabei ist es völlig egal, ob wir das mit ungebürsteten Haaren, angetrockneten Schokoladenflecken oder einem Kind machen, das wir alle 25 Minuten aufs Töpfchen setzen müssen, damit es keine "Unfälle" gibt. 🙂

    Lasst uns alle auch mal ein wenig Verständnis für uns selbst aufbringen!

  2. DANKE. Einfach DANKE für diesen wunderbaren Artikel ❤️

  3. Liebste Carina,

    ich komme aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.

    Also erstens: Ich vergöttere deinen Schreibstil.
    Zweitens: Ehrlichkeit, Gemeinschaft und Solidarität sind bei dir keine leeren Worthülsen. Du lebst das und machst so vielen Menschen damit richtig viel Mut.

    Wie sah es bei mir aus? Ich habe mich zunächst mitreißen lassen vom Geplapper der Menschen und der Medien. Und egal ob Mainstream Medien, soziale Medien oder alternative Medien, sie alle haben eines in mir ausgelöst: Wut und Trauer. In der Folge konnte ich schlechter einschlafen, nicht mehr durchschlafen und meine Meditationen und Gebete fielen mir schwer. Ich war gefangen in meinen üblichen Gewohnheiten, habe mich zunächst mit meiner Arbeit ertränkt. Einen kurzen aber ausgiebigen Abstecher im Mangel gemacht und mich der Angst (m)einer finanziellen Krise hingegeben.

    Ich krabbele also gerade nach einer 3-wöchigen Offline-Zeit aus meinem kleinen Versteck. Keine Medien, keine Socials, nix, gar nichts. Kein Netflix, kein neues Serientrauma, sondern nur ich, die Natur und meine Gedanken und Gefühle. Ich brauchte Raum für mich. Für das Chaos in meinem Kopf, die Wut und die Traurigkeit. So habe ich viele Stunden im Wald verbracht oder stumpf im Bett gelegen. Anfangs habe ich gar nichts gefühlt, war wie abgeschnitten von mir. Meine Atemübungen funktionierten nicht, meine Meditationen waren leer, weil mein Geist leer war.

    Seit 3 Tagen bin ich eingeschränkt wieder online. Ich lasse es langsam angehen und folge meinem Bauch und wenn der sagt, bleib im Bett, bleib ich im Bett. Ich prügele mich nicht mehr dafür, sondern gebe mein Bestes. Und wenn dieses Beste bedeutet, dass ich mich zurückziehe, dann soll es so sein. Nichts ist so, wie es einmal war, warum sollten wir das nicht auch dazu nutzen das ein oder andere zu hinterfragen.

    • Ich finde, das klingt absolut sinnvoll. Babysteps! Die reichen völlig. ❤️
      Und ich habe das Gefühl, durch genau diese Phasen laufen alle sensiblen Menschen momentan. Jede in ihrem eigenen Tempo.

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