Wen lässt Du in Deinen Kopf?

Du entscheidest!

Ich war in meinem Leben schon oft von Bullies umgeben. Ich war es teilweise so sehr gewohnt, von Menschen attackiert und tyrannisiert zu werden, dass es mir manchmal fast normal erschien.

Als 7-Jährige steckten die großen Jungs nach der Schule meinen Schulranzen in die Mülltonne, den ich anschließend heulend wieder ausgrub und nach Hause trug.

Als 9-Jährige lockte mich ein älterer Junge aus meiner Schule ins Gebüsch und fragte mich, ob ich mich nicht für ihn ausziehen könnte.

Als 14-Jährige und als Neuzugezogene in der Schulklasse attackierte mich die „coole“ Gang monatelang mit verletzenden Schimpfworten, bis sie sich das nächste Opfer suchten.

Als 21-Jährige ließ ich mich von meinen damaligen Chefs so in meinem Können und Selbstbewusstsein reduzieren, dass ich noch Jahre später mit Scham daran zurückdenke, weil ich es einfach zugelassen habe.

Ich war schon immer ein leichtes Opfer.

Klein, unscheinbar, schüchtern und somit nach außen hin wehrlos.

Ich gehörte nie zu den Cool Kids, hatte keinen starken, großen Bruder und meist Kollegen und Freunde, die noch wehrlosere Opfer waren als ich.

Bis ich anfing zu erkennen, dass ich alles andere als wehrlos war.

Es dauerte seine Zeit, es zu merken, und noch viel länger, bis ich mich traute, diese Waffe auch einzusetzen (hab ich die Schüchternheit schon erwähnt?), und ich endlich, mit Mitte zwanzig, erkannte, dass der Schlüssel dazu in mir selbst lag.

Ich hatte eine Stimme und die Möglichkeit, sie auch zu nutzen.

Die Einzige, die mich jahrelang in die Opferrolle gedrängt hatte, war ich selbst.

Als Kind hatte ich keine große Wahl. Mir als 7-Jährige selbst zu sagen, dass ich in Wirklichkeit die Stärkere bin, weil ich mich nicht davon kleinkriegen lasse, hätte mir nicht wirklich geholfen.

ES MIR ALS 36-JÄHRIGE ZU SAGEN – DURCHAUS.

Es wird immer wieder Bullies in meinem Leben geben, daran kann ich nichts ändern. Ich könnte Dir allein in den letzten drei Jahren mehrere Personen nennen, die versucht haben, mich kleinzuhalten. Mich einzuschüchtern, meinen Wert zu mindern, und mir das Gefühl geben wollten, ich sei nicht gut genug so, wie ich bin.

DER UNTERSCHIED VON HEUTE UND DAMALS IST, DASS ICH ES NICHT MEHR ZULASSE.

Das ist eine bewusste Entscheidung, die Du selbst treffen musst, wenn Du beginnst, Dein Leben zu ändern. Es war eine Entscheidung, die ich treffen musste, als ich anfing zu reisen, und es war eine der wichtigsten Entscheidungen bei der Gründung meiner Selbständigkeit.

Gebe ich der Negativität in meinem Leben die Oberhand
oder entscheide ich mich für das Gute?

Gebe ich dem Konkurrenzdenken in meinem Kopf die Macht
oder wähle ich stattdessen, andere zu unterstützen?

Gebe ich dem Neid und der Negativität anderer die Möglichkeit, an mir zu nagen,
oder habe ich Nachsicht mit Menschen, die im Grunde nur mit ihren eigenen Selbstzweifeln kämpfen?

Menschen, die wählen, sich auf die Negativität zu konzentrieren, geben ihr damit die Macht, sie innerlich aufzufressen. Du selbst hast die Wahl zu entscheiden, wie viel davon sie auf Dir abladen können.

Holding onto a grudge is letting someone live rent-free in your head.

Twitter das

Sie sind oft unzufrieden mit ihrem eigenen Leben und nicht einmal fähig zu sehen, dass sie aus Frust im Leben anderer picken, um sich mit ihrem eigenen Mangel nicht auseinandersetzen zu müssen.

Sie lassen sich in Deinen Kommentarbereichen aus, reden in Facebook-Gruppen schlecht über Dich oder werfen Dir in E-Mails vor, Du würdest sie ja nur kopieren.

Aber Du kannst selbst entscheiden, wem oder was Du die Macht in Deinem Kopf und in Deinem Leben überlässt.

Ob Du Dich verkriechst, weil es Menschen gibt, die es brauchen, Dich zu reduzieren, um sich selbst Wert zu geben.

Ob Du an Dir selbst zweifelst, weil sie Dir diese Zweifel mit Gewalt in Deinen Kopf pressen wollen.

Ob Du ihnen erlaubst, mietfrei in Deinem Kopf zu leben.

Menschen haben nur Macht über Dich, wenn Du sie ihnen gibst.

Das gilt selbstverständlich nicht für Extremfälle, wenn Deine körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel steht oder sich Kritiker zu Stalkern entwickeln. (Dann musst Du Dir die Oberhand mit Hilfe von außen zurückerobern!)

Aber in allen anderen Fällen kannst Du nicht beeinflussen, wer schlecht hinter Deinem Rücken über Dich redet. Oder in Deinem Kommentarbereich. Und das solltest Du auch gar nicht. Dazu suchen viel zu viele Menschen gerne krampfhaft das Negative, und wenn sie es suchen, dann werden sie es auch finden. Ob es wahr oder subjektiv betrachtet ist, spielt dabei gar keine Rolle.

Verschwende also Deine Energie nicht damit, sie korrigieren zu wollen.

Sorg lediglich dafür, dass es genug Gutes gibt, was andere zu Deiner Verteidigung über Dich sagen können.

Konzentrier Dich nicht auf die Bullies, die Menschen, die sich selbst ein gutes Gefühl damit geben, schlecht über Dich zu reden, Dich kleinhalten wollen oder sich selbst gut dabei fühlen, Dich runterziehen zu müssen.

Konzentrier Dich auf die Menschen, die Dir den Rücken stärken, die Dich unterstützen, die an Dich glauben.

Die sich von den Bullies abwenden und sagen:
Ich steh zu Dir! Ich steh hinter Dir! Ich glaub an Dich!

Denn das sind die, die zählen.

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14 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Hi Carina,
    Da fällt mir gleich der Spruch ein: Das Handeln eines Menschen sagt viel mehr über ihn selbst aus, als über dich.

    Ich habe zu Schulzeiten leider auch Mobbing Erfahrungen sammeln müssen und erst zuletzt eine Doku auf Netflix gesehen, die sehr gut zeigt, dass die Täter bzw. Bullies keine stabilen und gesunden Menschen sind. Als Opfer und vor allem Kind ist man sich dessen natürlich nicht bewusst und bezieht vieles auf sich selbst. Die Doku heißt übrigens A girl like her.

    Lg Moni

    • Hi Moni,

      ja, das habe ich auch irgendwann gelernt. Vor allem, wenn man diese Menschen länger beobachtet oder sogar Einblick in deren Leben bekommt, sieht man ganz schnell, dass sie wirklich einfach nur ihren Frust umlagern und es absolut nichts mit einem selbst als Person zu tun hat.

      Was es weder richtig und tolerabel macht, noch rechtfertigt.
      Sie können einem zwar leid tun, aber am Ende des Tages entschuldigt das nicht ihr Verhalten. Das entscheiden wir nämlich immer noch selbst, nicht die Umstände für uns…

      Liebe Grüße,
      Carina

  2. Ich finde dich mutig, weil du „public“ bist, und deine Meinung sagst. Viel zu viele Menschen müssen dich kleinmachen, um sich selbst besser zu fühlen. Das hab ich auch lange nicht geschnallt. Trotzdem ist mein credo: Liebe, unerschütterliche Freundlichkeit und Lächeln. Und auch mal nein zu anderen- weil es ein Ja zu mir selbst ist.

  3. Genau zu dieser Erkenntnis bin ich auch vor einiger Zeit gekommen. Ich war zu Schulzeiten genau so ein leichtes Opfer und auch danach gab es immer wieder Situationen, in denen ich mich von anderen hab einschüchtern lassen. Diese Zeiten sind aber mittlerweile vorbei!

    Wie gerne würde ich heute meinen Englischlehrer von damals treffen, der mir immer wieder eingeredet hat, dass mein Englisch ja ach so schlecht war, nur weil ihm scheinbar mein Gesicht nicht gefallen hat (oder aus welchem bescheuerten Glück auch immer…). Ich wette, mein Englisch ist heute besser als seins!

    Oder meinen Chef in der Berufsausbildung, der mich regelmäßig angeschrien hat und meinte, dass das der richtige Kommunikationsweg mit einer 20-Jährigen Auszubildenden sei. Er hat mir quasi attestiert, dass aus mir nie etwas werden würde. Hach, wie gerne würde ich ihm präsentieren, was ich heute mache…

    Ich erwische mich leider immer noch manchmal dabei, wie ich mich einschüchtern lasse, aber die Momente werden immer weniger und ich hoffe, dass ich die Opferrolle irgendwann ganz hinter mir lassen kann!

    • Jana, danke dafür!
      Dein Kommentar hat mir gerade richtig gut getan.
      Ich glaube, Menschen machen sich viel zu selten Gedanken darüber, was sie mit den eigenen Worten anrichten. (Ich versuche mich auch immer selbst dabei zu spiegeln…)
      Das einzige, was mich dabei immer wieder runterholt von der Wut und der Enttäuschung ist wirklich das, was auch Moni so schön in Worte gepackt hat: Dass es einfach viel mehr über den Menschen aussagt, der Dich runterziehen will, als über Dich selbst.
      Das hat mir in letzter Zeit unglaublich oft geholfen…
      Liebe Grüße,
      Carina

  4. Sabrina

    Wow, dein Artikel hat mich berührt – und beruhigt. Ich hatte geahnt oder sogar insgeheim gewusst, dass manche Menschen nur aufgrund ihrer eigenen Wahrnehmung über andere urteilen. Mir ist auch aufgefallen, dass sie in andern oft Dinge sehen, die sie selbst wiederspiegeln. Mit dieser Erkenntnis hätte ich mich eigentlich von dem Gedanken befreien können, dass ich als Kind und Jugendliche zeitweise gemobbt wurde. Das Gefühl, Ich-bin-der-Scheiß-am-Schuh, kommt aber manchmal immer noch hoch. Ich hab vergeben, es schön geredet und versucht die Geschichte als Antrieb zu sehn. Und dann kommst du und nimmst mir, zumindest für einen Moment, diese Last und sie verraucht vor meinen Augen. Dankeschön für deine Offenheit.

  5. Tina

    Hi Carina

    Dankeschön dafür. Es ist gut erinnert zu werden das man nicht alleine mit diesen Problemen dasteht.
    Ich hab mich leider auch viel zu lange in die Opferrolle drängen lassen. Viel zu lang gedacht das ich nichts wert bin. Viel zu viel Bullis auf mich einhacken lassen.
    Dachte das ich es nicht besser verdiene und dafür eine Depression entwickelt (und noch mehr).
    Es ist hart es einzusehen. Doch es stimmt. Ich habe meinen Peinigern den Schlüssel gegeben. Ihnen den Ball zugespielt.
    Man hört es nicht gerne, doch was du schreibst stimmt. Ich hab mich zum Opfer gemacht.
    Oft ist es hart für mich zu kämpfen.
    Und doch tue ich es.
    Danke für deine Offenheit. Du weißt das ich dich dafür schätze und du ein großes Vorbild bist. Danke das du mir die Augen wieder einmal geöffnet hast.
    Manchmal muss man wieder erinnert werden damit man anfängt an sich zu arbeiten.
    Und ich will wieder mehr für mich machen. Werde mit Achtsamkeitsübungen wieder anfangen.

    Liebe Grüße aus Hawker Australien
    Servus Tina

  6. Ach Du Liebe,

    so ein schöner und wichtiger Artikel. Ja, das ist wohl eine der wichtigsten Lektionen des Erwachsenwerdens: Grenzen setzen lernen. Auf allen Ebenen.
    Das hat auch sehr viel mit Selbstliebe und Selbstfürsorge zu tun. Und dazu gehört auch, sich selber an die erste Stelle zu setzen – ohne schlechtes Gewissen! Und immer wieder auf’s Neue zu entscheiden, wem und was schenke ich meine Energie. Und wem und was nicht.

    Und … sich bei all dem selber seine Verletztlichkeit zuzugestehen und sich auch immer wieder und wieder verletztlich zu zeigen als wahre Stärke zu schätzen und zu lieben.
    Es wird immer Menschen geben, die sich an Dir abarbeiten, die ihre eigenen Schatten auf Dich projezieren. Und es wird Dich immer wieder mal treffen … wenn Du nicht bereit bist, Dir einen harten Panzer zuzulegen. Was auch so schade wäre. Denn dann nimmt man sich selber so viel weg.

    Die Kunst besteht glaube ich darin, sich selber die verletzten Gefühle zu verzeihen und den ganzen Rest liebevoll lächelnd an den Absender zurückzuschicken: „Danke, aber das gehört allein DIR“. Und diese Retoure immer schneller und klarer vorzunehmen.

    Alles Liebe,
    Christina

  7. Hey Carina, das war wieder ein wunderbarer Artikel und ich bin richtig froh für dich und alle anderen, die es „geschafft“ haben, sich da raus zu arbeiten. Ich kenne das auch sehr gut und frage mich jedes Mal selbst, wie ich mit diesen fiesen Hate-Attacken umgehe. Sogar meine Schwiegermutti tobt sich da unter meinen Posts im Netz aus. Doch du hast so Recht: „Sie sind oft unzufrieden mit ihrem eigenen Leben und nicht einmal fähig zu sehen, dass sie aus Frust im Leben Anderer picken, um sich mit ihrem eigenen Mangel nicht auseinandersetzen zu müssen.“ – Das schöne ist ja, dass wir uns darum eigentlich gar nicht kümmern müssen. Das Universum sorgt für uns alle und das, was man aussendet, kommt sowieso zu einem zurück. Also keine Sorge, mir selbst gibt es ganz viel Kraft zu wissen, dass ich, wenn ich mich auf Liebe, Schönes und Gutes konzentriere, um so mehr davon zurück bekomme. Für den anderen wird dabei auch gesorgt… 😉 Alles Liebe für dich und mach immer weiter so, Louise

  8. Hallo Carina,
    ich kenne nur zu gut was Du beschreibst und bin immer wieder erstaunt, dass es anderen auch so gut. Man denkt nur einem selbst widerfahren solche Dinge.
    Mit der Zeit werden die Momente in der Opferrolle weniger – aber viel Seele ist über die Jahre auch verletzt worden und so manches Stück Seele auch kaputt gegangen.
    Oft hilft mir der Gedanke, dass ich keinem anderen Menschen soviel Macht über mich geben möchte, das er sich in meinem Kopf einnistet.
    Aber manchmal treffen solche Menschen meine seelische „Sollbruchstelle“ – und dann falle ich ganz tief…… und der Schmerz ist unerträglich.
    Gut dass, Du über solche Dinge schreibst.

  9. Berit

    Hallo Carina,
    eigentlich kaum zu glauben, wie sehr dieses Thema unser Handeln beeinflusst.
    Aber alles, was nicht 0815/ Mainstream ist, ruft zwangsläufig Reaktionen hervor: ehrliche, gute Menschen zeigen es einem durch Lob, Bewunderung und Bestätigung und negative, unzufriedene Menschen eben durch Abwertung, Belächeln und Neid.
    Aber wie sagte Wilhelm Busch so schön: „Neid ist die höchste/aufrichtigste Form der Anerkennung“
    Und ich finde, da ist so viel Wahres dran! Leider….
    Wenn ich es aber so sehe, kann ich deutlich besser damit umgehen, als wenn ich mich über diese Personen ärgere und mich selbst in Frage stelle.
    Liebe Grüße
    Berit

    • Hi Berit,
      da hast Du absolut recht. Neumodisch umgesetzt heißt das ja auch gern: Wenn die Hater kommen, hast Du es geschafft 😉
      Tröstet trotzdem nur ein wenig, aber den Aspekt, mich deshalb nicht mehr selbst in Frage zu stellen, den habe ich mir auch „anerzogen“.
      Viele liebe Grüße zurück,
      Carina

  10. Lena

    Hallo Carina,
    sehr toller Artikel! Bei mir hat es auch bis Mitte 20 gedauert zu dieser Erkenntnis zu kommen und mir geht es so viel besser 🙂
    Freue mich auf mehr Artikel von dir.
    LG Lena

  11. Madita

    Hallo Liebe Carina,

    super toll geschrieben! Mir fällt es trotzdem immer noch total schwer die Gedanken umzusetzen. Ich weiß eigentlich, dass es genau so ist wie du es beschreibst aber falle trotzdem immer wieder in die Opfereolle zurück. Kannst du mir noch mal ein paar Tipps geben wie ich es besser schaffe es umzusetzen?

    Ganz Liebe Grüße
    Madita

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