Warum mir die meisten "Business-Artikel für Introvertierte" ne fette Gänsehaut verpassen...

(Und bei mir leichten Brechreiz verursachen.)

Nur ein kurzer Hinweis: Meine Texte können Werbung zu meinen Produkten oder auch Werbe-Links zu Produkten (erkennst Du am * hinter dem Link) enthalten, die ich nutze und liebe. Ich wurde nie dafür bezahlt, sie einzubinden! (Und auch nicht mit Salz & Essig Chips bestochen. Leider.)

In den letzten sechs Jahren habe ich mich so oft dabei ertappt, wie ich mich immer wieder hab bequatschen lassen.

„Du musst einfach nur mehr aus Dir herausgehen, Carina.“

„Wenn Du dies und jenes tust, wird Netzwerken auch für Dich zum Kinderspiel.“

„Aber es ist doch sooo wichtig für Dein Business, dass Du neue Kontakte schließt!“

Würg.

Meine Selbstzweifel, nicht gut genug, nicht erfolgreich genug oder nicht erfahren genug zu sein, haben mich die ersten Jahre auf Konferenzen, Blogger-Treffen und – der Horror pur – Blogger- und Presse-Reisen gejagt. Sie haben sich nicht darum geschert, dass ich als Introvertierte lieber über glühende Kohlen gelaufen wäre, als mich in eine Gruppe von Menschen zu pressen, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit mir auf einer Wellenlänge liegen, im Durchschnitt bei 10:2 lag.

Und wenn ich einen dieser 2 Menschen endlich aus den 10 rausgefiltert habe? Dann bin ich meist in irgendeiner kuscheligen Sitzecke gelandet, im 1:1-Gespräch, und wir haben uns gemeinsam vor den Massen versteckt.

Was. für. eine. Zeitverschwendung.

Noch viel schlimmer: Was für eine Energieverschwendung!

Versteh mich jetzt nicht falsch – wenn Du einfach nur ein schüchterner Typ bist und lernen willst, wie Du mehr aus Deinem Schneckenhaus kommst, sind all diese Tipps wirklich Gold wert.

Aber hier liegt für mich der Knackpunkt: Die meisten Menschen verwechseln, vermischen und verpanschen Schüchternheit und Introversion. Das eine ist etwas, was auf mangelndem Selbstbewusstsein, Selbstwert und schlechten Erfahrungen basiert und nach und nach abgebaut werden kann.

Das andere ist etwas, was einer Veranlagung entspricht, die man (meiner Meinung nach) weder abbauen kann, noch krampfhaft abtrainieren sollte. (Ich kann Dir dazu wärmstens das Buch von Sophia Dembling* empfehlen!)

Zeig mir einen Introvertierten, der sich „weniger“ introvertiert gemacht hat, indem er auf Massentreffen und Netzwerk-Veranstaltungen gegangen ist. Ich kenne keinen. (Und nein, ich rede hier nicht davon, es besser „ertragen“ zu können oder sich einfach daran zu gewöhnen…)

Irgendwann, nach vielen Jahren, in denen ich immer wieder ganze Tage gebraucht habe, meine inneren Batterien nach Events wieder aufzuladen, bei denen ich eigentlich vorher schon wusste, sie werden mich total schlauchen (und mir viel zu wenig bringen), habe ich endlich den Schlussstrich gezogen.

Ich war seit weit über einem Jahr auf keiner Kooperations-Reise, keiner Konferenz, keiner Messe, keinem Netzwerkirgendwas und auch auf keinem Meetup mehr (eigene mit meinen Femininjas ausgeschlossen), und weißt Du, was ich vermisse, verpasst habe oder dadurch an Chancen verloren habe?

Nada. Niente. Nichts. Absolut nichts.

Möglich, dass Dir das völlig anders geht. Möglich auch, dass Du Dir jetzt denkst, dass ich ja gar nicht weiß, WAS ich alles Gutes verpasst hab. Möglich, dass Du jetzt hier aussteigst, weil Du findest, dass das Quatsch ist und ich mir das nur einrede, um weiter in meinem Leben als Einsiedler-Business-Krebs zu schwelgen. Jep. Alles gut möglich.

Weswegen die folgenden Tipps, die ich Dir als Introvertierte mitgeben möchte, völlig subjektiv, absolut persönlich und möglicherweise völlig unnütz für Dich als Introvertierte sind.

(Möglicherweise aber eben auch nicht…)

 

Intro-Business-Gebot #1 – Du musst kein Extro werden! (Egal, wie sehr sie es Dir einreden wollen.)

Es gibt so viele extrem erfolgreiche Frauen, die introvertiert sind – und nicht trotz ihrer Introversion, sondern völlig fein damit.

Lass Dir also von keinem Extro sagen, dass es nur auf ihre Art geht. Oder von einem Intro, der sich durchquält und sich bloß nicht alleine malträtieren will.

Das wäre genauso, als würde Dir jemand im Online-Marketing sagen, es gibt nur eine einzige Art von SEO, die funktioniert, oder nur eine einzige Art von Storytelling oder nur eine einzige Art, auf Social Media zu gewinnen. Es ist völliger Quatsch.

Für jede Strategie gibt es immer mindestens drei Alternativen. 

Und genauso gibt es im Business bei jedem Aspekt mindestens eine Alternative, wie Du sie introversionsfreundlich umsetzen kannst. Du musst lediglich – wie immer – ein bisschen umdenken.

Wenn Dir also jemand sagt, Du musst auf Messen gehen, um Kontakte zu knüpfen, aber Dir stellen sich schon beim Gedanken daran alle Haare auf? Zeig ihm den Stinkefinger.

Wenn Dir jemand sagt, Du musst auf Meetups, um Gleichgesinnte zu finden? Zeig ihm den Stinkefinger.

Wenn Dir jemand sagt, Du musst auf Konferenzen, um von schlauen Menschen lernen zu können? Zeig ihm den Stinkefinger.

Und dann such Dir eine der zig Alternativen, die Du stattdessen eingekuschelt in Deine Wolldecke vom Laptop aus nutzen kannst.

 

Intro-Business-Gebot #2 – Verwechsle Introversion nicht mit Isolation (und mach sie nicht dazu).

Ich weiß aus Erfahrung, dass diese beiden I’s sehr nah beieinander liegen und leicht ineinander driften können. Weswegen ich darauf geachtet habe, die beiden brav in zwei verschiedene Ecken zu drängen, nachdem ich mich dazu entschlossen habe, meine Introversion voll auszuleben.

Ich achte jetzt als oberste Priorität darauf, dass ich genügend Zeit für mich habe, meine Batterien immer wieder aufladen kann und mein Terminkalender nie zu viele Termine aufeinanderfolgen lässt.

Gleichzeitig strenge ich mich aber auch an, die Balance zu halten, was den Austausch mit meinen Lieblings-BFFs angeht – und damit meine ich nicht nur die Femininjas, auch wenn sie einen großen Teil der Zeit davon einnehmen.

Ich habe nach und nach ganz bewusst einzelne Frauen in mein Leben geholt (eine kleine Handvoll davon), mit denen ich gemeinsame Projekte ausknobel und umsetze, die mir den Rücken frei halten – und Spaß daran haben – und die meine Ideen so grandios umsetzen und gestalten, wie ich das nicht ansatzweise alleine könnte.

Ganz egal also, ob Du Business-Partner, Mastermindler oder Freelancer brauchst, sorg dafür, dass Du jedes Mal, wenn Du jemanden erwischst, der so tickt wie Du, diese Menschen in Deinen inneren Kreis lässt und auch dort hältst. Eine Handvoll davon sind für uns Introvertierte mindestens genauso wertvoll (wenn nicht sogar wertvoller) wie Hunderte Visitenkarten oder Business-Kontakte, die Du auf Veranstaltungen sammelst und doch nie nutzt.

Nutz also Online-Kurse, Online-Communities, sogar Online-Meetups, wenn Du das willst, und verknüpf Dich dort online mit Menschen, die wirklich auch so ticken wie Du – und triff Dich dann einzeln in kuscheligen Cafés für ein Stündchen mit ihnen, um echte Verbindungen zu schaffen.

Das sorgt immer wieder dafür, dass Du intensiven, wertvollen Austausch bekommst, nach dem wir Introvertierte immer wieder suchen und der uns glücklicher macht als jeder Small Talk.

 

Intro-Business-Gebot #3 – Erschaff Dir ein Intro-freundliches Business.

Am Anfang bist Du vielleicht gezwungen, Deine Zeit gegen Geld zu tauschen. Du brauchst vielleicht die Freelancer-Stunden oder das Coaching, um Deine Kassen zu füllen. Kein Thema.

Aber sobald Du kannst und vor allem in jeder Stunde, die Du für Dich abzwacken kannst, konzentrier Dich darauf, von diesem Business-Konzept wegzukommen.

Wenn eins für uns Introvertierte pures Kryptonit ist? Dann konstante, intensive Interaktion mit Menschen. Selbst wenn Dein Kalender also dauerhaft nur mit 1:1-Terminen bestückt ist? Wirst Du am Ende aussehen wie ein Luftballon, aus dem die Luft rausgelassen wurde. Und Dich auch so fühlen.

Ich habe mich anfangs viel zu oft so gefühlt und lange nicht verstanden, wieso das so war.

Schließlich sind das doch die Intro-Regeln, richtig? Online und nur eine Person vor mir. Eigentlich ideal. Dachte ich…

Aber der intensive Austausch über Stunden hat mich einfach geschlaucht. Es war ja schließlich auch Arbeit und Hirnschmalz gefordert und kein netter Austausch über meine Leidenschaften oder ein entspanntes Gespräch mit einer meiner Besten.

Also habe ich ganz schnell auf Freelancing umgeschaltet, bei dem ich einfach vor mich hinarbeiten konnte, und das Coaching letztendlich ganz eingestellt.

Noch viel wichtiger? Ich habe mich darauf konzentriert, passives Einkommen zu erzeugen. Kurse, Produkte und E-Books, für die ich danach nur noch ein Drittel des Aufwandes betreiben musste, um sie zu verkaufen.

Das ist doch der wahre Traum aller Introvertierten: So viel Freizeit, wie wir wollen, wann wir wollen und so selbstbestimmt arbeiten zu können, wie es geht. Denn dann selbst entscheiden zu können, wann, welche und wie viel Interaktion Du mit Deinen Kunden teilen möchtest? Das ist die Kirsche auf der Sahne!

 

Aus diesen drei Geboten kannst Du danach alles ableiten.

Wenn Dich Videos abschrecken, kannst Du Intro-freundlich einen Podcast aufbauen. Wenn Podcasts Dir noch zu viel sind, konzentrier Dich auf Artikel und hilfreiche Texte.

Wenn Du Aufgaben immer wieder vor Dir herschiebst, die Dich zu viel Energie kosten, kannst Du sie nach und nach auslagern oder sie einfach ablegen (waaaas??) und ersetzen.

Wenn Du keine Energie und Muße hast für große Launchs, immer und immer wieder, kannst Du lernen, wie Du Deine geschaffenen Produkte automatisiert verkaufst.

Es gibt für alles, wirklich alles, auch Intro-freundliche Wege und Möglichkeiten. Lass Dir also nie wieder einreden, Du müsstest sie ablegen, abtrainieren oder Du wärst mit ihr nicht so erfolgreich wie ohne sie.

Du siehst die Wege für Dich nicht? Frag mich in den Kommentaren danach!

 

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7 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Liebe Carina,
    danke für diesen Mutmach-Artikel für Intros, ich habe ihn mit einem Lächeln im Gesicht gelesen. Weil ich alles abnicken kann. Weniger die Tipps, die ich noch nicht selbst ausprobiert habe, aber die Botschaft, die dahinter steht.
    Ich beschäftige mich intensiv mit Introversion und was alles dahinter steckt (und schreibe mittlerweile auch darüber). Die wichtigste Erkenntnis für mich war und ist, dass ich als Intro über besondere Stärken verfüge, und nicht nur zu wenig extravertiert bin. Wir Intros sollten stolz auf uns sein und unseren eigenen Weg gehen!
    "Stille" Grüße
    Lena

    • Bin da absolut Deiner Meinung 🙂
      Ich kann Dir auch sehr die Seite "Introvert, Dear" empfehlen. Sie rettet mich immer wieder aus den Selbstzweifeln.
      Liebe Grüße
      Carina

  2. Danke für diesen fantastischen Beitrag! Ich habe in diesem Jahr einen Blog gestartet und mich nun schon seit einer Weile damit befasst, dass ich doch mal Blogger-Events etc. besuchen MÜSSTE fürs Netzwerken.. Und davor graut es mir als Introvertierte so sehr! Deshalb ist es großartig von dir, als erfahrene und erfolgreiche Unternehmerin zu lesen, dass es auch ohne geht! Danke!

    • Schreib Dir mal fett auf ein Post-it: Du MUSST gar nichts <3
      Liebe Grüße
      Carina

  3. Hallo Carina,

    ich habe mit diesen ganzen Events auch vor einiger Zeit aufgehört. Auf einem war ich dieses Jahr noch einmal, weil eine Freundin mich mitnehmen wollte. Als ich nach 2 Stunden gemerkt habe, dass es mir wieder mal nichts bringen wird bin ich gegangen. Was dann auch nicht so gerne gesehen wird. Mir wird ganz oft dieses künstliche "wir freuen uns alle uns zu kennen" zu viel. Weil ich die ganze Zeit spüre, dass mir eigentlich alle nur ihre Programme verkaufen wollen 😀

    Danke, dass du einmal darüber geschrieben hast. Mein Gefühl ist, dass sich manche einfach überlegen fühlen, wenn sie uns Introvertierten sagen können, dass wir wie sie werden sollen. Andere sind extrem verunsichert, wenn ich dann einfach sage, dass ich keine Lust auf sowas habe. Regelrecht schockiert, weil ich mich da traue nein zu zu sagen.

    Freue mich über jeden deiner Artikel.

    Alles Liebe,
    Verena 🙂

    • Du triffst den Nagel auf den Kopf, mit Deinen Sätzen!
      Sehe ich sehr ähnlich 🙂
      Liebe Grüße
      Carina

  4. Danke. Das fasst in Worte, was ich seit längerem lebe. Es gehen Türen auf, die ich nie gesucht habe und ich lenke meinen Blick in Richtungen, die ich vorher nicht gesehen habe. Auch ohne, dass ich überall zur gleichen Zeit und nirgends wirklich richtig bin. Einfach indem ich bei mir und meinem Wesen treu bleibe. Ich persönlich habe gelernt, dem zu vertrauen, der mich mit meinen Fähigkeiten und Talenten erschaffen hat und mir Gelegenheiten bietet, diese auf Arten einzusetzen, die ich mir als studierter Betriebswirtschafterin so nicht ausgedacht hätte. Daher – ja, es geht auch anders…

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