Warum wir noch einen weiten Weg vor uns haben...

(und die Frage, wen Du im Spiegel siehst.)

Vor Kurzem wurde ich in den Kommentaren gefragt, warum ich denn nur einer Handvoll Instagrammern folge. Ob es denn dabei nicht um das Netzwerken ging, und ich las auch daraus, dass ich mich damit sehr unsozial verhalte. Dem Gegenteil von dem, wie es in Social-Media-Kanälen eigentlich sein sollte.

Sofort war ich verunsichert.

Stimmte das? Verhielt ich mich unsozial?

Zwei Minuten später kam ich bereits wieder auf den Teppich. Ich wusste eigentlich doch genau, warum ich so handelte. Warum ich meine Follower-Zahl so niedrig hielt. Ich hatte mich trotzdem sofort schlecht gefühlt. Obwohl ich bei näherem Hinschauen sehr gute Gründe für mein Verhalten hatte.

Letzte Woche entdeckte ich dann auf der Shop-Seite eines Blogs ein Produkt, das 1:1 kopiert und zum Verkauf angeboten wurde. Im Normalfall hätte ich mich mit einer Freundin einfach nur darüber ausgelassen, wie sehr uns die Kreativität in letzter Zeit fehlt und wie sehr es uns aufregt, dass jeder nur noch copy/paste à la carte anbietet.

Dieses Mal platzte mir aus verschiedenen Gründen allerdings der Kragen und ich schrieb der Person eine direkte Nachricht, was ich davon hielt.

DOCH DIE WUT DARÜBER VERRAUCHTE SO SCHNELL, WIE SIE GEKOMMEN WAR.

Zwei Tage später wollte ich mich fast schon wieder dafür entschuldigen, dass ich offen meine Meinung gesagt und jemanden darauf gestoßen hatte, dass kopiert, geklaut und dann damit Geld verdient wird.

Bei diesem Gedanken hätte ich mir gern gleich schon wieder eine geklebt.

Wir entschuldigen uns gerne. Für alles. Selbst wenn wir im Recht sind.

Auch wenn die Produkte, die ich kritisiert hatte, sofort aus dem Shop verschwanden, bleibt es eine Tatsache, dass ich nicht ungerechtfertigt meinem Ärger Luft gemacht hatte. Und trotzdem bekam ich Schuldgefühle, die sich nicht abstellen ließen.

Wem wir solche Reuegefühle zu verdanken haben? Dem Nice-Girl-Syndrome.

Wir bekommen von klein auf beigebracht, nett, lieb, unscheinbar und angepasst zu sein.

Für alle anderen Versionen von uns sind Reaktionen wie „Zicke“, ein genervtes Augenrollen und das Abfragen unseres Zyklus reserviert. (Ich bin fast sicher, dass die Reaktion auf meine E-Mail mindestens eine davon provoziert hat.)

Die Bestätigung dafür bekam ich noch von einer Freundin, als ich mich bei ihr darüber ausließ, wie sehr mich all das ärgern würde und die mich in meiner Rage ausbremste, noch einen Schritt weiter zu gehen, als lediglich eine E-Mail zu verfassen. Ihre Antwort darauf, warum ich das nicht tun sollte, schockte mich im ersten Moment gleich noch einmal.

„Ich will niemandem etwas Böses.“

Auch wenn ich in diesem Moment gleich schon wieder wütend wurde, konnte ich sie am nächsten Tag, als die Wut verraucht war, schon wieder verstehen. Ich war froh, nicht auf den Anger-Knopf gedrückt zu haben.

Aus einem tief verankerten Urinstinkt heraus:

Wir wollen immer das liebe Mädchen bleiben. Bloß nicht zur Zicke abgestempelt werden. Selbst wenn wir im Recht sind.

Ich sitze also wieder einmal im Zwiespalt. Mit mir selbst. Mit der Gesellschaft. Mit meinem Umfeld.

Letztendlich zählt allerdings nur eines: nämlich der Blick in den Spiegel.

Und die Frage, wen Du darin sehen möchtest.

Willst Du jemanden sehen, der mit seinen eigenen Ideen Erfolg hat oder mit denen der anderen einfach nur Geld verdient? Willst Du jemanden sehen, der immer brav lächelt, nickt und von allen gemocht wird, oder willst Du jemand sein wie Amy Schumer, die provoziert, diskutiert, sich Feinde schafft und tatsächlich etwas in der Welt bewegt?

Ich habe meine Wahl bereits vor einer Weile getroffen.

Auch wenn ich Momente habe, in denen ich schwanke, weiß ich doch sehr genau, dass die Tage der lieben, netten, angepassten Carina, die sich alles gefallen lässt und tatenlos dasteht, wenn sie respektlos behandelt wird, definitiv vorbei sind.

Auch wenn ich mich immer wieder fragen werde, was andere Menschen von mir halten, ob ich mir vielleicht gerade einen neuen Feind erschaffen habe oder mein Beliebtheitsgrad Punkte verliert, weiß ich doch, dass ich so deutlich zufriedener am nächsten Morgen in den Spiegel schauen werde.

Ich bin nicht unfehlbar oder perfekt. Das ist auch gar nicht mehr mein Anspruch.

Ich möchte einfach nur stolz darauf sein können, wen ich dort sehe.

Und wen willst Du sehen, wenn Du in den Spiegel schaust?

 

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54 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Julia

    Liebe Carina, danke für Deinen Artikel, der mich sehr zum nachdenken angeregt hat. Das Gegenteil von Nice Girl ist meiner Meinung nach nicht das Bad Girl sondern das colle besonnene Girl (nicht das ich das schon drauf hätte…) Auch ich komme häufiger an den Punkt an dem ich nicht weiß wie lange ich noch nett sein soll oder wann es richtig ist, den Kragen platzen zu lassen. Was mir immmer sehr hilft ist, ‚böse‘ Briefe nicht im Affekt zu schreiben und immer einmal drüber zu schlafen. Nur so kann ich sachlich bleiben meinen Standpunkt freundlich aber mit Nachdruck vertreten. Damit ist man IMMER im Vorteil wenn die Auseinandersetzung weitere Kreise zieht. Was uns helfen kann ist es, die Dinge einfach nicht so persönlich zu nehmen und (ich sags nur ungern) männlicher und sportlicher zu nehmen! Ein Mann würde nie einen Brief mit den Worten enden lassen: ‚Es tut mir leid, wenn Du jetzt eine schlechte Meinung von mir hast, weil ich auf meinem Standpunkt beharre.‘ (diesen Wortlaut bekam ich neulich im Zuge einer Auseinandersetzung zu lesen. Bei mir löst das sofort einen Überlegenheitsreflex aus, der in keiner Auseinandersetzung dienlich ist). Und bei rechtlichen Sachen kann man auch einfach mal einen Anwalt einschalten, dass kostet meist nicht so viel wie man denkt und man hat den Kopf frei. Die Schuldgefühle werden wir sicher nicht ganz los, die interessante Frage ist eher, wie wir diese wirksam in eine konstruktive Auseinandersetzung kanaliseren können.

    • Liebe Julia,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Du sagst da ein paar wahre Dinge, aber mir geht es leider auch oft so, dass ich, wenn die Wut runtergekühlt ist, zwar etwas rationaler werde, allerdings mich dann erst recht der Mut verlässt und ich wieder meinen Mund halte.
      Bis ich dann eben irgendwann explodiere.
      Ein guter Mittelweg wäre da nicht schlecht. Ich versuche deshalb schon die Hitze des Gefechts zu nutzen, aber trotzdem die Höflichkeit nicht außer Acht zu lassen.
      Eine Gradwanderung 😀
      Liebe Grüße,
      Carina

  2. hi carina – deine offenheit ist super! am ende vom tag hat man auch nichts davon, wenn man immer lieb und nett ist und zu allem ja sagt. ich glaube, wenn man authentisch lebt und entscheidet, stärkt das das selbstbewusstsein und man lebt zufriedener.

    mir gings auch schon oft so, dass ich mich sehr über sachen geärgert habe, aber schlussendlich war ich zu feig um die wahrheit per email los zu werden. ich finds auf jeden fall mega cool, wenn du in solchen situationen authentisch bleibst!

    mach dein ding so wie du es für richtig empfindest. es wird nie allen gefallen 🙂

    schöne grüße
    corinna

    • Hi Corinna,
      danke Dir! Freut mich, dass Du das auch so siehst.
      Wir müssen dringend mutiger werden!
      Liebe Grüße,
      Carina

  3. Hallo Carina,

    toller, feministischer Artikel. Ich kenne was Du schilderst aus einer anderen Perspektive. Wie ich Dir bei Facebook schon kommentiert habe, habe ich nicht das Nice Girl Syndrom, und ich glaub ich hatte es auch früher in meinem Leben nie wirklich. (Ich kann aber manchmal erfolgreich so tun, als ob ich es hätte 😉 )

    Trotzdem macht es mir zu schaffen, weil von Frauen halt immer noch erwartet wird, es zu haben, und wenn man sich offensichtlich und nach vorne gehend anders positioniert, wird man auch abgestraft. Sogar im eigenen Freundeskreis. Sei es, dass Du sagst, dass Du unter xyz Euro pro Monat nicht arbeiten gehst (Dann giltst Du als unbescheiden statt als Dir Deines Wertes bewusst). Oder dass Du Leuten klar sagst, wenn sie scheiße reden (Dann giltst Du als Frau als zickig oder aggressiv und nicht als engagiert).

    Ich finde es gut, wenn Du Leuten sagst, wo der Hammer bei Dir hängt. Wir brauchen noch viel mehr Frauen, die das tun, damit es endlich als „normal“ anerkannt wird. Denn das ist es. Man darf Leute vor den Kopf stoßen, wenn sie die eigenen Grenzen verletzten. Und man darf dabei ruhig deutlich sein.

    Bitte mach weiter damit 🙂

    Alles Liebe!

    • Hi Suzanne,
      sehr, sehr wahr.
      Ich komme mir so oft arrogant und eingebildet vor, wenn ich Dinge einfach beim Namen nenne und dann merke, wie bei meinem Gegenüber gerade die Augenbrauen nach oben gehen. Dann möchte ich mir selbst immer gleich aufs Händchen klopfen. Völlig zu unrecht!!
      Aber traurigerweise ertappe ich mich genauso oft dabei, wie meine Augenbrauen im ersten Moment nach oben gehen und ich hinter denke, verdammt, ich Idiotin, sie macht es doch genau richtig!
      Da ist noch viel, viel Arbeit zu tun! 🙂
      Liebe Grüße,
      Carina

  4. Liebe Carina!

    Omg, wie bekannt kommt mir das vor!!!!! Tatsächlich gehöre ich auch zu dieser Gattung: immer freundlich, immer nett… Wenn es mir dann aber irgendwann mal wirklich reicht, kommt die große Explosion.

    Die ist dann aber meistens auch vernichtend, da kommt dann alles was sich aufgestaut hat zum Vorschein. Für den betreffenden, dann meistens komplett überraschend -> Ich war ja schließlich immer nett und freundlich.

    Ich arbeite sehr hart daran, auch mal klar meine Meinung zu sagen. Es ist extrem schwer, man hat gleich das Gefühl was böses zu sagen. Dabei ist ein klar formuliertes „Nein“ ja noch keine Kriegserklärung.

    Schlimm wie tief verankert solche Verhaltenweisen sind…

    lg Claudia

    • Hi Claudia,
      ich kenn das nur zu gut. So geht es mir auch oft in Freundschaften oder Beziehungen. Aber ich lerne auch jeden tag dazu, endlich rechtzeitig und lieber dreimal den Mund zu machen, als einmal zu explodieren.
      Sehe ich genau wie Du…
      Liebe Grüße,
      Carina

  5. Laura

    Wegen solcher Artikel liebe ich deinen Blog! Kein 0815-Thema, zum Nachdenken und dabei hilfreich, danke!

  6. Victoria

    Hallo Carina!

    Vielleicht habe ich es überlesen, aber warum genau folgst du denn jetzt nur einer kleinen Anzahl von Menschen auf Instagram? Habe gerade gesehen dass es nur so um die 20 Personen sind. Mir folgen (leider) auch immer wieder Menschen, die mich dann schnell wieder entfolgen (wenn ich nicht innerhalb von 24 Stunden auch folge) und ehrlich gesagt find ich das auch ganz schön nervig…Man freut sich über neue Follower, aber eigentlich geht es denen gar nicht um die Bilder die ich poste, sie wollen nur selbst mehr Follower. Soweit ich das mitbekommen habe, hast du damit eh aufgehört, aber warum folgst du dann nicht mehr Menschen? Vielleicht bin nur ich der Meinung, dass vor allem Instagram immer wieder von neuem inspiriert und ich dann gerne neue Leute finde, deren Bilder mich beeindrucken. Ich würde gern deine Meinung dazu wissen 🙂

    Liebe Grüße,

    Victoria

  7. Mara

    Hallo Corinna,

    mich hat diese Einstellung immer lieb, nett, höflich zu sein, sich „alles gefallen“ zu lassen sogar krank gemacht. Ich habe dann mit Unterstützung über ein Jahr gebraucht um mich wieder zu fangen und endlich auch zu lernen mal „Nein“ zu sagen oder auch mal aufzubegehren. Ich bin immer noch nett und höflich, aber wenn ich merke, man will mich ausnutzen, mich hintergehen oder verlangt etwas von mir, was absolut gegen meine Einstellung spricht, dann sage ich das. Ja, noch immer ist das teilweise mit ungutem Gefühl verbunden. Man kann sich wehren ohne dabei gleich in die Luft zu gehen, was bei meinem Temperament auch Arbeit an mir bedeutet hat. Ich habe viel zu lange geschluckt, hingenommen um nicht unhöflich zu erscheinen, aber das ist wirklich ungut! Denn wenn man auf der einen Seite temperamentvoll ist, auf der anderen Seite aber auch höflich, nett, ja fast ein wenig schüchtern (was kein Widerspruch ist) dann gerät einiges aus dem Gleichgewicht wenn man immer unterdrückt bzw. es an der falschen Stelle/falschen Person auslässt, weil man irgendwann einfach nicht mehr kann. Ich musste es auf die harte Tour lernen und es ist auch weiterhin ein Lernprozess. Ich habe gelernt zu kanalisieren, meine Kritik (meistens) sachlich dort zu platzieren, wo sie hingehört. Ein schöner Artikel von dir, in dem ich mich auf eine gewisse Art und Weise erkannt habe.
    Fazit: Man darf und sollte sich nicht alles gefallen lassen.

    Liebe Grüße

    Mara

  8. Anto

    Hallo Carina!
    Mir geht es auch ähnlich wie dir, dass ich zu Recht einmal lauter werde aber dann ein schlechtes Gewissen bekomme. Und da sind wir auch nicht die einzigen. Umso schöner finde ich, dass Du dich traust, diese Ecken und Kanten zu zeigen. Nicht nur, weil es Persönlichkeit zeigt, sondern auch weil Du, als Vorbild vieler, uns auch den Mut gibst, zu unserer Meinung und Rechten zu stehen, ohne in Panik zu geraten, wem wir wohl damit auf die Füße getreten sind.
    Ganz liebe Grüße <3

    • Hi Anto,
      danke Dir, für die lieben Worte!
      Und ja, damit haben wir alle zu kämpfen – bloß niemandem auf die Füße treten zu wollen. Aber wie sich hier in den Kommentaren zeigt, vielleicht wird es Zeit, zumindest mal häufiger ein paar Zehen zu treten 😉
      Liebe Grüße,
      Carina

  9. Liebe Carina,

    hab vielen Dank für den wieder sehr inspirierenden Artikel.
    Ich kenne Deine Zweifel auch nur zu gut. Als Kind habe ich gelernt, dass es wichtig ist, was andere von mir denken. Was ICH von mir dachte, war unwichtig. So entsanden Anpassung und die berühmten Autobahnen im Gehirn. Glücklich war ich nicht damit.
    Dann hatte ich einen sehr persönlichen Tiefschlag, der mir vor Augen geführt hat: Ich kann nur authentisch sein, wenn ich meine Wahrheit lebe und auch kommuniziere. Das fällt zwar nicht immer leicht, ist aber notwendig.
    Danke für Dein Teilen.
    Alles Liebe,
    Sabine

    • Hi Sabine,
      immer wieder gerne 🙂
      Freut mich sehr, dass er so gut ankommt!
      Ich weiß so gut, was Du meinst. Ich war in vielen Hinsichten immer extrem darauf bedacht, was alle anderen von mir denken. In einigen Bereichen bin ich es leider immer noch, aber ich arbeite auch darauf hin, das abzulegen.
      Braucht kein Mensch.
      Ganz liebe Grüße,
      Carina

  10. Hi Carina,
    diesen Zwiespalt kenne ich nur zu gut. Man hat gelernt, immer lieb und nett zu sein und nie jemandem auf die Füße zu treten. Aber damit macht man sich als Erwachsener nur selbst kaputt, weil es einfach zu viele gibt, die weder lieb, noch nett sind. Man muss einfach manchmal seinen Mund aufmachen und sagen, was man bemerkt hat. Ich finde es ganz richtig, dass du vor allem dir selbst in die Augen sehen willst und weißt, dass dein Handeln richtig war.
    LG, Sandra aus St. Leonhard Südtirol

  11. Ich sehe das ähnlich. Ich bin auch so, dass ich schnell wütend werde und dann meine Meinung auch sagen will. Ich will mich eigentlich nicht verstecken und so dem anderen „recht“ geben, nur weil das vielleicht Ärger erspart. In mir brodelt es dann ziemlich und wenn ich meine Meinung sage (die dann im Affekt oft etwas übertrieben dargestellt wird), dann werde ich sehr oft als übereilt und trotzig betitelt, was mich dann noch wütender macht, weil ich ja nur ehrlich sein will. ich muss da auch ein bisschen die Puste rausnehmen und erstmal kurz nachdenken, und diese Zeit muss ich mir auch nehmen! Oft wird ja direkt schnelles Handeln verlangt und es bleibt einem NULL Bedenkzeit weswegen ich oft so krass reagiere. Aber ich muss aufhören mich für Sachen zu entschuldigen, die ich nicht ändern kann. Zum Beispiel einfach keine weiteren Aufgaben übernehmen zu können, weil ich schon vor Stress schlecht schlafe und einfach nicht mehr kann. Weil es zu viel ist. Und dennoch kommen Menschen, die es besser wissen müssten, und hauen noch drauf :/

    • Hi Anne,
      ich erkenne mich darin auch sehr gut wieder.
      Als ich noch in meinem Festanstellungs-Job gesteckt habe, habe ich auch immer sehr zickig reagiert, wenn ich eigentlich überfordert war. Ich glaube, das sind oft kleine Hilferufe, auf die allerdings niemand reagiert.
      Vielleicht hilft Dir ja folgender Tipp: Ein klares Nein, manchmal einfach ohne Begründung, Entschuldigung oder Erklärung für sich stehen zu lassen. Du bist nämlich, vor allem, wenn Du überfordert bist, niemandem Rechenschaft dafür schuldig.
      Liebe Grüße,
      Carina

  12. Liebe Carina,
    großartig, dass du dieses Thema auf deinem Blog anschneidest. Ich finde es wirklich schwer darüber zu diskutieren, weil es immer etwas sehr persönliches ist – schließlich fühlt ja kein anderer, was man selbst fühlt. Ich gerate da wirklich oft in Konflikte zwischen „meinen Gefühlen entsprechend handeln“ und „gemäßigt und gesellschaftlich akzeptabel reagieren“.
    Erst vor kurzem musste ich feststellen, dass jemand genau denselben Service anbietet wie ich (da das Konzept im Ansatz von Startups in den USA stammt, kann ich mich darüber nicht beschweren). Allerdings, und das hat mich ob der Dreistigkeit (oder Naivität?) wirklich schockiert, wurden meine AGB eins zu eins kopiert. Natürlich war ich wütend und dachte: Wer macht denn so etwas? Haben die Leute heute keinen Anstand mehr? Und am liebsten hätte ich ihnen das genau so auch gesagt. Ich habe dann aber doch abgewartet und erstmal den „Benefit of the doubt“ gegeben: einen Anwalt gefragt, was man tun kann und in der Zwischenzeit ein freundliches, vielleicht auch leicht ironisches „Hallo“ an die Betreiber geschickt und um ein Telefonat gebeten. Siehe da, die AGB waren am nächsten Tag verschwunden. Allerdings, und darüber ärgerte ich mich wieder, kam dann eine (in meinen Augen arrogante) Absage auf meine Telefonat-Anfrage. Noch wütender wollte ich einen Anwalt beauftragen, um eine Entschädigung für mich zu erwirken. Leider erwies sich das aber als recht schwierig. Also beschloss ich, die Sache auf sich beruhen zu lassen und meine Energie für etwas Positives zu nutzen: mit neuem Antrieb stürzte ich mich in die Arbeit an meinem eigenen „Baby“.
    Kurze Rede, langer Sinn: Ja, sicher hat mich hier das Nice Girl Syndrom gepackt (einige Umstände, die ich hier nicht erläutert habe, haben erschwerend dazu beigetragen) und ich wollte nicht zu viel Ärger schüren, außerdem dachte ich sofort – vielleicht habe ich auch etwas falsch gemacht. Würde ich das nächste Mal direkt den Anwalt einschalten und eine Abmahnung schicken? Einige Freunde (primär Männer) meinten: Klar, so muss es sein, du schützt ja dein eigenes Business. Andererseits, wenn ich überlege, wie ich in dieser Situation behandelt werden würde… ich würde mir wünschen, dass man mir die Chance gibt, ohne große „Strafe“ den Fehler zu beseitigen und mich zu entschuldigen. Daher würde ich vermutlich auch bei Wiederholung dieses Szenarios nicht sofort die „schweren Waffen“ ziehen. Allerdings sage ich meinem Gegenüber dann auf jeden Fall deutlich, dass ich sein Verhalten scheiße finde und ich mir eine Entschuldigung wünsche. Vielleicht bekomme ich sie dann trotzdem nicht, aber immerhin habe ich meinen Gefühlen in angemessenem Maße und gesellschaftlich akzeptabel Ausdruck verliehen 😉
    Danke nochmal für den schönen ehrlichen Text und liebe Grüße,
    Jule

    • Huch, was ein Roman am Mittwochmorgen! Ich hoffe es liest sich gut… 😉

      • Haha, Jule, da kam aber was rausgesprudelt 😀
        Das musste wohl dringend raus 🙂
        Ich hätte es vermutlich genau wie Du gemacht, aber ja, in jedem Fall bin ich heute (im Vergleich zu noch vor ein paar Monaten) deutlich direkter und lasse klar durchblicken, was ich davon halte.
        Ich bekomme auch im Bekannten- und Freundeskreis immer wieder vermittelt, dass ich sehr kritisch bin. Aber weißt Du, was ich mehr und mehr feststelle?
        Das Menschen meine Meinung und Kritik genau deswegen schätzen. Weil es eben keine Weichspül-Nein-Dein-Hintern-sieht-nicht-fett-aus-Antworten sind.
        In diesem Sinne, Jule, vielleicht nicht die Keule auspacken, aber definitiv die Fliegenklatsche!
        Danke für Deinen Einblick zum Thema!
        Liebe Grüße,
        Carina

        • Haha, ja, da hast du Recht! Danke für dein Feedback, das hast du schön gesagt. Ich werde mir das auf jeden Fall als schützenden Reminder in Erinnerung rufen 🙂 Liebe Grüße, Jule

  13. Liebe Carina,

    sehr schön geschrieben! Mir wurde einmal von Freundinnen vorgeworfen, dass ich immer meine Meinung sage und das nur, weil ich eine andere Meinung hatte. Dabei sage ich sie immer ruhig und nicht böse. Ich kann gut damit leben, dass Freundinnen oder Bekannte unterschiedliche Meinungen und Standpunkte haben. Das kann durchaus spannend sein und man kann darüber auch sachlich diskutieren.

    Es gibt leider Menschen, die mich nur mögen, so lange ich sie ständig bestätige und ihre Meinung vertrete. Da wird schon ein leicht ironischer gut gemeinter Satz wie „Du musst nicht allen deinen Lieben etwas aus dem Urlaub mitbringen“ als Beleidigung aufgenommen. Warum ist das bei Frauen so extrem? Ich mag dieses Heileweltgetue nicht und ich hasse es, wenn Menschen immer gleich freundlich sind und keine Meinung haben. Ich weiß dann nie, wann sie nun echt sind.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Liebe Renate,
      mir geht es da oft genauso.
      Dann bekomme ich schon mal ein „Du diskutierst aber auch über alles.“ zu hören, dass mich trotzdem auch immer wieder nachdenklich stimmt.
      Ich mag es ja auch nicht, wenn ich grundsätzlich ein B auf mein A oder ein A auf mein B zu hören bekomme.
      Das finde ich selbst anstrengend.
      Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, bei Aspekten, die eigentlich nicht wirklich wichtig sind, einfach meinen Mund zu halten und nur nett zu nicken. Wenn mich allerdings jemand um meine Meinung bittet, dann gibt es keine Halbwahrheiten, da bin ich gnadenlos ehrlich.
      Vielleicht werde ich deshalb irgendwann weniger um meine Meinung gebeten, aber dann habe ich auch gewonnen 😀
      Ich glaube, es ist deshalb bei Frauen so extrem, eben weil wir so sehr die Anerkennung und Bestätigung von außen suchen. Damit schließt sich da dann auch schon der Teufelskreis…
      Ganz liebe Grüße,
      Carina

  14. Liebe Carina,
    ein toller Artikel wieder, vielen Dank !
    Ja, ich kenne das auch, und denke mir dann oft „WTF???“ – und ärgere mich. Oft bleibt es dann aber beim Ärgern, und das geht dann leider auch nicht so schnell weg – oder kommt wieder.
    In der Theorie weiß ich, dass es besser ist, dann auch den Mund aufzumachen (oder zur Tastatur zu greifen ;-)), in der Praxis schaffe ich es noch nicht immer. Aber ich arbeite dran 😉
    Lieben Dank und viele Grüße
    Lena

    • Liebe Lena,
      dankeschön, freut mich 🙂
      Und das ist doch das Wichtigste: Die Erkenntnis (ist ja nicht um sonst der erste Weg zur Besserung 😉 )
      Viele Grüße aus Bali,
      Carina

  15. Uta

    Liebe Carina,
    auch von mir vielen lieben Dank für Deine geschriebenen Worte und hach..man ist also nicht alleine mit diesem Thema. Und ja Frau muss einfach mutiger werden und vor allem bei sich bleiben. Als halbwegs reflektierte Person, kann man sich und sein eigenes Tun schon richtig einordnen. Das ABER VIELLEICHT und das schlechte Gewissen tauchen aber leider doch ab und an auf.

    Ich habe mir angewöhnt nach meinen ersten recht emotionalen Ausbrüchen das Ganze mal Ruhen zu lassen und einen Tag Abstand zu gewinnen. Dann wird mit Ruhe und ganz nach meinen eigenen Bedürfnissen gehandelt.

    Die Reise ist wohl noch lange nicht zu Ende, aber die grobe Richtung stimmt und das ist ja schon mal die Hauptsache 😉
    Ganz lieben Gruß aus Canggu,
    Uta

    • Liebe Uta,
      nein, sind wir definitiv nicht, wenn ich mir hier so den Strom anschaue…
      Nur beim Durchatmen nicht alles ad acta legen. Das passiert dann nämlich auch allzu oft.
      *rüberwinkausubud*
      Carina

  16. Berit

    Liebe Carina,

    sich selbst permanent in Frage zu stellen, ist echt eine der schlechtesten Eigenschaften von uns Frauen.
    Aber es erfordert ja auch ein verdammt dickes Fell, wenn man jederzeit seine Meinung sagt und auch zu dieser steht. Denn das heißt ja, dass „Augenbrauen hochziehen“, „hinterm Rücken-Gerede“ und womöglich gar ignoriert oder abgelehnt zu werden, komplett an einem Abperlen muss.
    Mich nicht ständig zu fragen, was „die Leute denken könnten“ ist nach wie vor eine meiner größten Baustellen.
    Vor Kurzem hatte ich ein sehr bewegendes Gespräch in einem Coaching, wo wir u.a. über genau dieses Thema sprachen. Und sie sagte zu mir „sei doch mal du selbst und sprich auch mal aus, was du fühlst, denn die Menschen können dich überhaupt nicht einschätzen, wenn du immer versuchst korrekt zu sein und niemals anzuecken. Das macht dich viel nahbarer, glaubwürdiger und menschlicher.“
    Übertragen auf eine Situation, in der man sich ungerecht behandelt fühlt, hieße das, demjenigen keinen direkten Vorwurf zu machen à la „du hast…, du sollst…, du musst…“, sondern schildern, was sein/ihr Verhalten bei einem selbst für ein Gefühl ausgelöst hat.
    Ist eigentlich so ein Kommunikations-Thema aber mir hat das ein bisschen die Augen geöffnet.
    Wie denkt ihr darüber?

    Lieben Gruß,
    Berit

    • Hi Berit,
      ja, das ist ein sehr wirkungsvolles Tool.
      Versuche ich auch viel anzuwenden und habe ich oft im Hinterkopf, wenn ich versuche, vorsichtig und neutral Kritik zu üben.
      Kann ich also nur dazu nicken!
      Liebe Grüße,
      Carina

  17. Josi

    Hallo,

    Eine klare Sprache ist immer gefragt, ob von Frauen oder Männern. Das kann unangenehm sein, wenn es sich um etwas Heikles dreht. Doch das ist für alle eine Herausforderung. Wer seinem Ärger gut Luft machen kann ohne schlechtes Gewissen, steht am Ende nicht automatisch besser da. Sich gehen lassen, ist in einem Prozess, in dem ich etwas erreichen will, keine gute Idee. Explosionen können ausgeschlossen werden, wenn ich rechtzeitig die Signale sehe und ruhig angehe. Wer einen Alpenpass per Rad mit Hast und Gewalt bezwingen will, kommt oben nicht an. Das ist fair und keine Gender-Frage.

    • Hallo Josi,
      mag sein, dass das Kritik üben keine Gender-Frage ist, aber ich möchte behaupten, dass sich deutlich weniger Männer „schuldig“ fühlen, wenn sie Kritik geübt haben, als Frauen.
      Und ich möchte ebenfalls behaupten, dass das Clichée der Erziehung von „lieben, netten, zurückhaltenden“ Mädchen, gar kein Clichée ist, sondern Tatsache.
      Viele Grüße,
      Carina

  18. Tina

    Aaaaalsooooo… Spreche jetzt vom beruflichen Umfeld: Bei mir ist es bei gewissen Leuten genau umgekehrt. Es würde mich absolut beunruhigen, wenn die mich mögen würden, daher tue ich auch nichts dafür, dass sie mich mögen. Mit distanzierter Professionalität lässt es sich da auch sehr gut arbeiten. Das betrifft Männer und Frauen.

    Ansonsten wird man als Frau im männerdominierten Umfeld (mein Fall) oft darauf hingewiesen, man könne doch diese oder jene Hilfsdienste ausführen. Dem leiste ich nur selten Folge, und wenn, dann nur mit dem Hinweis, dass ich selbstverständlich zu gegebener Zeit eine Gegenleistung erwarte. Diese fordere ich dann auch konsequent ein.

    Um den Männern klar zu machen, wie sie reden, drehe ich auch oft den Spieß um: Ich verpflichte sie ihrerseits zu Hilfsdiensten, frage bei schlechter Laune auch mal, ob sie ihre Tage haben etc. Das klappt recht gut, wenn man es geschickt verpackt. Wenn Männer dabei komisch aus der Wäsche schauen, sage ich nur „Würdet ihr doch jetzt eine Frau fragen, wenn die das gesagt hätte, was ihr grade gesagt habt.“

    Manche Leute finden mich deshalb vielleicht komisch, aber das stört mich nicht um Geringsten. Die meisten nehmen das einfach so hin, ich bin für sie eben „direkt“.

    Zu Anfang meiner Zeit im männerdominierten Umfeld hatte ich auch immer wieder Wutanfälle. Das hat sich fast gelegt. Dennoch: So ab und zu schadet so ein Wutanfall gar nicht… ich war immer wieder erstaunt, dass einem Männer so was gar nicht krumm nehmen. Mit neuen Feinden war da nichts. Was auch OK war. Ich wollte denen ja nichts Böses. Das heißt aber nicht, dass man die Klappe halten muss. 🙂

    • Hahaha, herrlich Tina.
      Da kann es also eine Wohltat sein, so zu sein, wie man wirklich ist.

      Und ich mag Deine Direktheit und Konsequenz sehr. Davon könnte ich mir eine Scheibe abschneiden, gerade wenn es um die Einforderung von Gegenleistungen geht (und ich spreche hier gezielt von Business-Beziehungen, nicht von Freundschaften oder Beziehungen).

      Die Sache mit den umgedrehten Fragen muss ich mir unbedingt merken!!
      (Wir beide müssen unbedingt mal einen Kaffee trinken gehen. Du bist voll auf meiner Wellenlänge 😀 )

      Liebe Grüße aus Bali,
      Carina

      • Tina

        Hi Carina,

        klar, gerne Kaffee (Tee für mich), wenn wir mal am selben Ort sein sollten. 🙂

        Die Sache mit den umgedrehten Fragen macht mir sehr viel Spaß. Ob sich die Männer dabei amüsieren, weiß ich nicht, aber ist ja egal. Hauptsache, ich tu’s. 🙂
        Heute habe ich zufällig einen Artikel entdeckt, der dieses Thema behandelt: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/twitter-satire-manwhohasitall-gibt-ratschlaege-fuer-den-mann-a-1062065.html
        Finde ich sehr lesenswert. Und als „Praktizierende“ sehr amüsant.

        Liebe Grüße nach Bali
        Tina

        • Hi Tina,
          herrlicher Artikel und den Herrn hab ich sofort mal auf meine Twitter-Liste gepackt 😀
          Danke dafür!
          Die umgedrehten Fragen hatte ich hier mal angebracht, funktioniert auch super um Kinnladen runterklappen zu lassen:
          https://www.um180grad.de/gib-nicht-auf/
          Und mit dem Tee sind wir uns dann auch einig 😉
          Liebe Grüße,
          Carina

          • Tina

            Oh ja, der Dialog ist sehr gut!! 🙂

  19. Diana

    Hallo Carina,
    inzwischen ist es mir nur wichtig, was meine engsten Freunde oder meine Familie von mir denken/halten. Da überlege ich zweimal bevor ich einen Streit anfange aber was der Rest der Welt von mir denkt ist mir so ziemlich egal.
    Was ich aber auch heute noch immer total erschreckend finde ist wie viele Frauen nicht ihre Meinung äußern wenn Männer (vor allem ihre Partner) anwesend sind. Erst am Samstag auf der Hochzeit von einem Kollegen ist mir das wieder aufgefallen. Ich war die einzige Frau am Tisch die mitdiskutiert hat, alle anderen haben den Mund gehalten und ihre Partner für „sich“ reden lassen. Das die eine oder andere vielleicht kein Interesse an einem der Themen hatte mag sein…aber bei allen Themen so gar keine Meinung zu haben kann ich mir nicht vorstellen.
    Definitiv wird’s Zeit dieses „Brave-Mädchen/Prinzessin Image“ in unserer Gesellschaft loszuwerden – und all das Potential zu nützen das dadurch zum Vorschein kommen wird.
    Mach weiter so und bring solche Themen auf den Tisch.
    Liebe Grüße,
    Diana

    • Hi Diana,
      Glückwunsch, dass Du es so weit gebracht hast!
      Das meine ich ernst und keine Spur ironisch.
      Und diese Entwicklung bei Paaren, in der die Frau oder Freundin kaum noch mit diskutiert und ich die bin, die die Keule schwingt, habe ich auch schon festgestellt. Erschreckend. Dann frage ich mich oft, ob meine Freundinnen ihre Ansichten beim Anlegen des Eherings abgelegt haben.
      Ganz liebe Grüße,
      Carina

  20. Sandra

    Hallo Carina,
    dein Artikel kommt genau zur richtigen Zeit! Ich habe mich seit einiger Zeit zu einer bestimmten Sache nicht Wohl gefühlt. Nachdem ich mir lange gesagt habe, dass es sich bestimmt von selbt regeln wird und ich mich selber sogar in frage gestellt habe ob ich mich einfach nur Anstelle ist mir dann doch irgendwann tatsächlich der Kragen geplatzt! Ich habe mich geäußert und meine Gefühle Preis gegeben! Ich habe mich quasi bloß gestellt! So hat es sich jedenfalls angefühlt denn es wurde mir dann natürlich auch noch Übel genommen, dass ich meinen Gedanken Worte verschafft habe. Es ging sogar so weit, dass ich überlegt habe mich zu entschuldigen weil es ja alles gar nicht so gemeint war und ich einfach einen schlechten Tag hatte….. Quatsch! Klar war das so gemeint, ich habe meine Worte sorgsam gewählt! (Und warum muss ich meine Worte überhaupt sorgsam wählen?) Ich habe das gesagt was ich Gedacht habe und hab nicht auf „liebes Mädchen“ gemacht so wie es von uns erwartet wird und alles einfach „runtergeschluckt“. Danach ging es mir Besser! Erstmal…. Denn am Ende kamen doch die Schuldgefühle und die Angst jemanden auf die Füße getreten zu sein- obwohl ich genau wusste, dass ich nichts falsches gemacht habe!

    Danke, dass es nicht nur mir so geht und dass du deine Gedanken geteilt hast. Ich habe mich absolut verstanden gefühlt! Wir müssen einfach lernen, dass man seine Meinung sagen kann, ohne sich gleich Schuldig dafür zu fühlen!! Ein dickes Fell bekommen sozusagen und nicht immer das liebe Mädchen sein, so wie es erwartet wird! =)

    • Liebe Sandra,
      alles richtig gemacht!!
      Und ja, dickes Fell wäre super.
      Aber bis dahin, nehmen wir doch einfach mal eine Weile die Schuld- und Reuegefühle der Wahrheit zuliebe in Kauf. Vielleicht verkrümeln sie sich ja dann irgendwann einfach von selbst 🙂
      Danke für Deine Worte und Ansicht dazu!
      Viele sonnige Grüße aus Ubud,
      Carina

  21. oh wie ich es kenne ……. aber ich kann Euch versichern, es wird im Alter einfacher. Da ist es dann vielleicht noch „peinlich berührt sein“, dass es Leute gibt, die denken ich sei blöd und durchschaue nicht das Spiel. Irgendwie ist Zeit wohl kostbarer geworden im Alter, ich lass mich nicht mehr für dumm verkaufen – da kommt sofort ein Stopschild, meistens freundlich – und nie mehr ein schlechtes Gewissen hinterher. Es ist eher eine Erleichterung, dass man diese Menschen losgeworden ist.

    Ich hab auch „Nein-sagen“ lernen müssen – das klang auch in anderen Kommentaren schon an. Ich weiß, ich war früher traurig, dass Menschen etwas von mir wollten, die eigentlich wussten, dass ich Land unter hatte. Das hab ich dann auch noch gemacht. Heute rechtfertige ich mich noch nicht einmal sondern sage nur: leider kann ich das nicht machen….. ich drück Dir die Daumen, dass Du es schaffst. ENDE und anderes Thema. Nur einmal wurde ich gefragt, ob ich da Gründe nennen könne – was ich schon eine Unverfrorenheit fand. Ich sagte nur: es gibt verschiedene Gründe, bitte akzeptiere hier einfach mein NEIN.

    Oh ich bin sogar stolz darauf (psst freu mich königlich), dass ich das nun hinbekomme – kann mich seit Jahren an kein schlechtes Gewissen mehr erinnern. Es gibt tatsächlich eine Menge Geschenke im Alter – versprochen.
    Ja, und wie es hier auch schon mal durchklang – Männer kennen dieses Problem nicht…. aber das macht es nicht kleiner.

    Ja, lasst es uns feiern, dass es uns ab heute gelingt – messerscharf, deutlich und höflich. BEFREIT.
    Bleibt vergnügt – ein wundervolles Thema.
    Wenn nicht wir, wer dann?
    herzlichst
    Greta

    • Liebe Greta,
      ich sehe das ganz genauso.
      Vielleicht ist es nicht das Alter, das entscheidet, sondern wann man sich dazu entschließt, offener und ehrlicher zu werden und wie viel Zeit man mit der Übung darin aufwendet.
      Letztendlich kann ich mit 20 oder mit 40 damit anfangen. Spielt keine Rolle. Solange man diesen Schein der absoluten Nettigkeit irgendwann ablegt.
      Viele Grüße,
      Carina

      • was für eine vorzügliche Idee, das schon mit 20 einfach abzulegen. Ja, ich sehe es auch so, liebe Carina, dass es unsere Entscheidung ist. Wir haben mit unseren Gedanken das tollste Handwerkzeug mitgeliefert bekommen…… wir müssen es „nur“ anwenden.
        Dafür gibst Du die tollsten Tipps.
        freu mich auf weitere Anregungen von Dir.
        herzlichst
        Greta

  22. Sandra

    Ach Carina… irgendwie verfasst du jedes Mal zur richtigen Zeit, den richtigen Artikel, sprich ich erkenne mich zu 100% wieder. Mir ist der Kragen in den letzten Wochn ein paar Mal geplatz, das schlechte Gewissen hat immer gleich um die Ecke gewartet und mit dem Finger auf mich gezeigt. In der Firma bin ich jetzt als Zicke abgestempelt, aber weisst du was? Mittlerweile ist mir egal.. 🙂
    Danke für deine Worte!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz

    • <3 Freut mich, Sandra!
      Und sehr gut!!
      Alles was damit proportional mitwächst ist auch der Respekt. Nur sagt das kaum jemand offen...
      Liebe Grüße,
      Carina

  23. melli

    Hallo Carina,

    du sprichst mir aus dem Herzen! Mir geht es öfter ähnlich so und du hast absolut Recht. Gerade wir Frauen sollten in dem Fall selbstbewusster auftreten, aber wir sind eben auch emotional, heißt, wie neigen dazu auch schnell unbesonnen oder leicht überzogen zu reagieren.

    In dem Fall mit deiner Freundin und dem Produkt im Shop, ist das mittlerweile keinen Seltenheit. Wenn ich mir die ganzen digitalen Produkte, die derzeit angeboten werden, angucke, alles Einheitsbrei und dafür soll man noch Geld zahlen. Genauso die Reiseblogger oder auch die Autos, um mal ein Beispiel aus der Offlinewelt zu nehmen. Die Automarken gucken sich auch vom Konkurrenten was ab, viele Modelle sehen gleich aus. Wahrscheinlich ist das einfach so und in der Flut der Informationen, seien sie nützlich oder nicht, aber sie prasseln auf uns ein, ob wir wollen oder nicht, geht die Kreativität flöten. Der Mehrwert leidet, jeder schreibt das, was andere auch schreiben, in Blogs doch genauso. Packinglisten, Online Kurse wie man erfolgreicher Blogger wird, Minimalismus, aber auch die Klatschzeitungen, ob ich jetzt eine Inside, OK!, Gala oder sonst was lese, alles gleich. Wie können wir das ändern, wie werden wir wieder kreativer und einzigartiger?

    Deine Artikel machen immer Mut und das finde ich so toll. Geh deinen Weg weiter 🙂 Wir Frauen sollten uns mehr zu schätzen wissen und, wie es so schön heißt, unseren Mann stehen. Mir fällt da auch das Thema Gehälter ein, Männer verdienen immer noch oft mehr als Frauen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Wir Frauen machen uns wahrscheinlich oft viel zu viele Gedanken und bekommen zu schnell ein schlechtes Gewissen. Kann auch an der Erziehung liegen oder es ist einfach in uns drin. Männer gehen oft pragmatischer an Dinge ran, ein Mann hätte vielleicht keine Mail geschrieben wie du, sondern es so stehen lassen. Man darf vieles auch nicht immer persönlich nehmen, das tun Frauen leider öfter als Männer.

    Liebste Grüße,
    Deine Melli

  24. also ich bin neu zu deinem Blog gestoßen. zunächst einmal finde ich schade, dass ich ihn erst jetzt entdeckt habe. Was aber den Inhalt deiner message betrifft so finde ich dass es überhaupt keiner Rechtfertigug bedarf, dass deine Follower-Zahl so niedrig ist. Du bist einfach nur wählerisch so wie jeder selbstbewußte Mensch… und ja damit stellst du zwar nicht den anspruch perfekt zu sein .. bist es aber 🙂 In diesem Sinne, bis balde Marlene 🙂 und Danke für den netten Beitrag, hab ihn sehr genossen!

    • Hi Marlene,
      besser spät als nie 🙂
      Schön, dass Du hier bist!
      Und danke, für Deinen Zuspruch 🙂
      Liebe Grüße,
      Carina

  25. Adelgunde

    Hallo Carina! Ich bin, wie wohl so viele auch, über Empfehlungen auf deinen Blog gestoßen. Die kamen aus den unterschiedlichen Richtungen, Motiven etc. Meist ging es um Unabhängigkeit, Freizeit, und natürlich Reisen. Diesbezüglich fragte ich mich auch, ob du über deine Reisen (da du ja lt eigenen Angaben überall in der Welt unterwegs bist) auch „Buch“ führst und Fotos online stellst? Es wäre schön so eine Dokumentation wie etwa von MySpace Tom zu sehen. Der macht auch sehr tolle Aufnahmen. Weiß nicht ob du das kennst auf Twitter?

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