Wer Du heute bist & wer Du morgen sein willst.

Und der feine Unterschied zwischen Arroganz & Ehrgeiz

Nur ein kurzer Hinweis: Meine Texte können Werbung zu meinen Produkten oder auch Werbe-Links zu Produkten (erkennst Du am * hinter dem Link) enthalten, die ich nutze und liebe. Ich wurde nie dafür bezahlt, sie einzubinden! (Und auch nicht mit Salz & Essig Chips bestochen. Leider.)

Als ich gestern zum x-ten Mal in die kleine rote Buchhandlung in Florenz gestolpert bin (ist glatt gelogen – ich bin völlig absichtlich zum dritten Mal dorthin zurückgegangen), fiel mir ein Buch von Paul Arden* in die Hände.

Ich hatte es schon ein paar Mal ausliegen sehen, aber dieses Mal blitzte es mich regelrecht aus dem Regal in der unteren dritten Reihe an und provozierte mich mit seiner Frage, die eigentlich keine Frage ist.

It’s not how good you are, it’s how good you want to be.

Einige Stunden später lag ich fast um Mitternacht in meinem Bett und konnte das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Vieles darin hatte ich schon mal zitiert an anderer Stelle gelesen, vieles darin hatte ich selbst schon gesagt (und vermutlich zuvor unbewusst irgendwo von ihm aufgeschnappt), und an vielen Ecken darin nickte ich heftig und zustimmend.

Und dann traf mich auf Seite 64 eine Erkenntnis, die ich nicht kommen gesehen habe.

Sie beschämte mich, sie motivierte mich, sie rüttelte mich regelrecht wach.

Heute Morgen ratterte es in meinem Kopf immer noch, und ich fing an zu analysieren, warum mich das so unvorbereitet getroffen hatte. Und wie so oft liegt der Schlüssel dazu in unserer Gesellschaft. In unserer Kindheit. In allem, was uns immer und immer wieder gesagt und anerzogen wird.

Wir, besonders als kleine Mädchen, sollen immer brav und lieb sein, richtig?

Wir dürfen schon auch mal in den „Spielklamotten“ auf Bäume klettern, aber wenn wir ein schickes gelbes Kleid mit Blümchen tragen, dann sollen wir es nicht schmutzig machen oder verknittern.

Wir dürfen schon auch mal mit den Jungs aufs Fußballfeld, aber in den meisten Fällen passen wir doch eher in die Riege Pferdemädchen und ins Ballett.

Wir dürfen schon auch mal auf Familienfeiern unsere Meinung deutlich vertreten, aber in der Regel wird dann kräftig über uns geschmunzelt und gelacht, uns der Kopf getätschelt und gesagt: „Ist sie nicht süß? Geh wieder spielen, Mädchen!“

Wir kennen es nicht anders, als dass wir brav, lieb und bescheiden sein sollen.

Und wenn wir das jahrelang geübt und verinnerlicht haben, dann wachsen wir in einer Welt auf, die uns nach und nach die Scheuklappen von den Augen zieht…

Wir, als Frauen, verdienen in vielen Berufsfeldern bei gleicher Qualifikation und Erfahrung auch heute noch weniger als Männer. Auch weil wir bei der Gehaltsverhandlung so bescheiden sind – wurde uns ja so beigebracht.

Wir, als Frauen, sind in der Selbständigkeit eher unsichtbar – Sichtbarkeit ist etwas für Männer, die mit ihren Fähigkeiten nicht hinter dem Berg halten und die selbstbewusst und lauthals Ergebnisse versprechen, bei denen sie genauso unsicher sind wie wir, ob sie sie liefern können.

Wir, als Frauen, haben uns so oft vorgebetet, dass wir lieb, bescheiden, bedeckt und im Hintergrund bleiben sollen, dass wir gesunden Ehrgeiz nur als schlichte Arroganz ansehen.

Sogar ich.

Sogar ich bin in die Falle getappt und habe andere Frauen mit dem schrägen Seitenblick betrachtet, wenn sie von sich als „die Erfolgreichste in ihrem Feld“ gesprochen haben.

Ich habe die Nase gerümpft, wenn sie im Pluralis Majestatis künstlich im „wir“ von sich selbst gesprochen haben, weil sie große Ziele anstreben und sie sie auch schon an Punkten in ihrer Karriere nach außen zeigen, wenn sie sie noch nicht erreicht haben.

Und dann kam Paul Arden und zeigte mir die Rote Karte. Gleich mehrfach.

Play your cards right.

Paul Arden

Damit ködert er mich auf Seite 64. Er lockt mich damit in eine Erkenntnis, die ich weder kommen sehe noch hätte sehen wollen, wenn er sie mir deutlicher angekündigt hätte. Weil sie mich beschämt. Wenigstens für den Moment.

Er legt auf Seite 65 Visitenkarten aus. In zwei Spalten.

Auf der linken Seite ist die Visitenkarte, die vermutlich 95% von uns (wenn nicht sogar 99%) nutzen würden. Da liegt Deine und meine Visitenkarte untereinander.

„Carina – Unternehmerin, Autorin, moderne Selbständige steht auf meiner.

Schön brav den Ist-Zustand beschreibend und was ich bis heute erreicht habe. Bloß nichts, was bestreitbar wäre, und bloß nichts, was zu gewagt wäre, auch wenn der letzte Titel schon ein wenig Selbstbewusstsein durchblicken lässt. Nicht zu viel, aber zumindest ein bisschen. Das geht gerade noch durch.

Auf der rechten Seite, erklärt Paul, liegt die Visitenkarte mit der Beschreibung, wie diese Menschen gesehen werden wollen. Wie sie betrachtet werden wollen.

Was sie werden wollen.

Erinnerst Du Dich an das Bild des kleinen Kätzchens, das in den Spiegel schaut und einen großen Löwen mit einer prachtvollen Mähne sieht?

Dieses Spiegelbild sollte auf unserer zweiten Visitenkarte stehen.

Wenn Du anfängst, Dich so zu sehen, wie Du angesehen werden willst und wer Du in einem, zwei oder fünf Jahren sein willst, dann hat das absolut nichts mit Arroganz zu tun.

Dann zeigst Du Ehrgeiz.

Ich bin in die klassische Falle getappt. Ich habe Frauen in meinem Kopf so beurteilt, wie unsere Gesellschaft mich beurteilt. Sei bescheiden, nicht arrogant.

Stapel lieber zu tief, statt zu hoch. Zeig Dich nur dann selbstbewusst, wenn Du auch wirklich schon etwas geleistet hast – und dann auch nur das.

Immer wieder versuche ich Frauen dazu zu motivieren, groß, größer und noch größer zu denken, und trotzdem habe ich gleichzeitig immer wieder ihre Flügel gestutzt, ohne es zu merken.

Ich wollte, dass sie zu Hause, in ihren Büros und Arbeitsräumen ihr Vision-Board basteln. Sie dazu bewegen, darauf so groß wie möglich zu denken und es jeden Morgen zu visualisieren.

Aber wenn eine von ihnen öffentlich diese Visualisierungen ausgelebt hat, schon heute von sich in der Mehrzahl gesprochen hat, weil sie sich zukünftig mit einem eigenen Team sieht, oder sich als der größte Blog in ihrer Nische beschrieben hat, weil sie ganz klar wusste, dass das ihr Ziel ist?

Dann stand ich bildlich gesprochen mit dem moralischen Zeigefinger hinter ihr.

„Na, na, na, junge Dame. Mal nicht so großspurig, ne?!“

Damit ist ab heute Schluss.

Ertappst Du dich auch gerade dabei? Dann sitzen wir im gleichen Boot. Wir können uns jetzt endlos dafür schämen, oder wir können es ab heute anders machen. Aber wir haben jetzt die Chance, das zu ändern.

Du und ich, wir machen heute den Anfang. Den Anfang damit, dass wir beide Ehrgeiz nicht länger als Arroganz ansehen und Ehrgeiz nicht länger als etwas Negatives, Aggressives, Unweibliches. Bei anderen Frauen und bei uns selbst!

Wo genau da eigentlich der Unterschied liegt?

Ganz einfach:

Arroganz ist, etwas großspurig zu behaupten, aber nichts dafür zu tun, dass es Wirklichkeit wird.

Ehrgeiz ist, etwas selbstbewusst zu planen – und dann auch durchzuziehen!

Der Unterschied liegt in der Energie, der Zeit und der Arbeit, die Du in Deine Träume und Visionen steckst, damit sie eben nicht länger nur Träume und Visionen bleiben.

Dabei ist es völlig egal, ob Du scheiterst (auch das werden Dir Paul und Samuel auf Seite 52 übrigens in Fett und Rot bestätigen, wenn Du das Buch liest), es ist egal, wie oft Du damit auf die Nase fällst, es geht einzig darum, wie oft Du wieder aufstehst.

Und Ehrgeiz ist genau das, was Dich dabei wieder auf die Füße bringt. Wie kann das etwas Schlechtes sein?

Also meine Liebe, Deine Aufgabe für heute?

Leg Deine beiden Visitenkarten nebeneinander.

Links die, die Du heute brav verteilen würdest, mit allem, was Du erreicht hast und beweisen kannst.

Rechts die, die Dir und allen anderen zeigt, wo Du hinwillst, was Du erreichen willst, in welcher Rolle Du Dich in zwei, drei oder fünf Jahren siehst. Wer Du in Zukunft sein willst.

Und dann wirf die linke in den Müll.

 

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10 Kommentare / Schreibe einen Kommentar
  1. Hallo Carina,

    eigentlich bin ich stille Mitleserin. Aber dieser Artikel hat es in sich. Und ich erkenne mich daran wieder.
    Ihr Text hat mich berührt!

    Vielen Dank
    Mary B.Ratha

  2. Liebe Carina, danke für diesen Artikel! Der war genau zur richtigen Zeit, denn mich nehmen wieder starke Selbstzweifel ein. Ich lese übrigens gerade zu diesem Thema ein spannendes Buch: "Herrin im eigenen Haus" von Julia Onken. Da sind eine ganze Menge Gedankenanstöße darin zur Rolle der Frau in der Gesellschaft (in Gegenwart und Vergangenheit). Alles Gute für dich und liebe Grüße, Solveig

    • Uhh, das setz ich doch gleich mal auf meine Leseliste!
      Freut mich, dass der Atrikel ein bisschen die Selbstzweifel vertreiben konnte.
      Liebe Grüße
      Carina

  3. Liebe Carina,
    seit über einem Jahr verfolge ich nun deine Beiträge, deinen Podcast (schade, dass es den nicht mehr gibt 🙁 ) und möchte dir erstmal DANKE sagen. Ohne dich wäre ich heute nicht da, wo ich bin! *fasteinbisschensentimentalwerd
    Ich hab nach diesem Artikel gedanklich mein Blumenkleid gegen meine Arbeitshose getauscht und die Ärmel hochgekrempelt. Toller Gedankenanstoß von dir, kam gerade recht! 🙂
    Ich liebe deinen Ehrgeiz! Arrogant bist du auf gar keinen Fall. Also weiter so!

    Ganz liebe Grüße, Jasmin

    • Jasmin, da bekomm ich ja ganz rote Ohren 😀 <3
      Danke für die lieben Worte!!

  4. Toller und motivierender Artikel Carina Danke für diesen hervorragenden Impuls die Visitenkarte neu zu schreiben !
    Viele Grüße in die schöne Stadt Florenz

  5. Vera

    Liebe Carina, vielen Dank für diesen Artikel, der mein Hirn kräftig durchgelüftet hat. Wirklich ein tolles Experiment mit den Visitenkarten. Ich werde künftig mit der Zukunfts-Visitenkarte in der Hosentasche auf Veranstaltungen gehen – und so mit meinen Status-quo-Karten (alles andere wäre für mich Schaumschlägerei) viel zielorientierter auftreten. Warum du Pferdemädchen und Ballett auf einer Ebene und im Unterschied zu Fußball siehst, weiß ich nicht. Sollte es an fehlender Erfahrung liegen, könntest du bei Juli Zeh "Gebrauchsanweisung für Pferde" eine Idee vom Leben in dieser Blase bekommen.
    Ganz liebe Grüße Vera

    • Jaaa, tolle Idee!
      Und Pferdemädchen, Ballett und Fußball waren die Realität in meiner Vergangenheit auf dem Land 🙂
      Das lässt sich nicht wegargumentieren, egal, ob das jetzt so sein soll oder ob das heute noch so ist. Das ist wieder ein anderes Thema… (da geb ich Dir Recht!)
      Liebe Grüße
      Carina

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